Meeting Evopäd© – Amphibie

Mittels kurzen Blogartikeln stelle ich euch in regelmässigen Abständen, Beispiele aus meinem Arbeitsalltag mit der Evolutionspädagogik vor. Diese Einblicke sollen aufzeigen, welche Sicht die Evopäd© auf Verhaltensweisen hat und wie eine Lösung aussehen könnte.

Als ich T. kennenlerne, sehe ich zuerst nur seine Mutter. Er selber steht hinter ihr und macht sich quasi unsichtbar. Beide stolpern quasi über die Türschwelle im Jugendhaus, weil sich der Junge angestrengt ans Bein der Mutter klammert und dadurch versucht für mich unsichtbar zu bleiben. Er ist wirklich gestresst durch diese Situation. Beide kommen das erste Mal zu mir und wissen nicht, was sie erwartet. T. wäre wohl am liebsten gar nicht erst aus dem Auto geklettert. Neue Umgebungen und unbekannte Menschen mag er gar nicht was auch dazu geführt hat, dass die beiden zu mir kommen. Die Mutter hat grosse Hoffnungen, dass sie in der Beratung Tipps erhält wie T. seine Scheu verliert, die im Alltag immer wie belastender wird. Die Befürchtung steht im Raum, dass seine fehlende Neugier ihn nach dem Übertritt in die Primarschule Schwierigkeiten bereiten wird.

Auch nach den ersten Minuten möchte T. lieber auf dem Schoss der Mutter sitzen und macht keine Anstalten die Räume zu erkunden. Mir scheint wahrscheinlich, dass T. wohl in der Amphibien-Stufe blockiert ist. Diese Stufe ordnen wir in der Evopäd® dem unbewussten Denken zu. Obwohl er Daheim aufgeweckt ist und sich für alles mögliche interessiert, ist er im Kindergarten scheu, spricht nur leise und zieht sich lieber alleine zurück, anstatt mit den anderen Kindern zu spielen.

Während ich mit der Mutter spreche, schaut T. immer wieder kurz zum Kriechtunnel. Dieser liegt bei mir immer einsatzbereit im Raum. “Warst du schon einmal in so einem Tunnel?” frage ich T. Er schaut mich kurz an, nickt und versteckt sich dann wieder im Arm seiner Mutter. “Dort kann man sich gut zurückziehen”, sage ich. “Wenn du neugierig bist, dann kannst du es mal ausprobieren. Aber du musst nicht, bei mir ist alles freiwillig.”

Ich spüre, dass T. wirklich neugierig darauf wäre in diesen Tunnel zu kriechen. Er schaut nun seine Mutter an und sie nickt ihm ermunternd zu. Er scheint die Gefahr nicht alleine abschätzen zu können. Deshalb stehe ich nun auf, hebe den Tunnel leicht an, damit T. sieht, dass sich nichts darin befindet. Gleichzeitig ziehe ich ihn noch etwas näher zu uns. Darauf scheint der Junge nur gewartet zu haben und ehe wir uns versehen ist er in der Röhre verschwunden. Im Rückzug fühlt er sich wohl. Nun beginne ich damit ihn in seiner Neugier zu wecken. Ein munteres Spiel, mit in den Tunnel zurück kriechen und wieder hervorschauen, beginnt. Das Eis ist gebrochen und T. ist für den Rest der Beratung neugierig und aufgeweckt, so wie seine Mutter es auch von zu Hause kennt.

Neugier ermöglicht neue Lernerfahrungen

Für die nächste Zeit ermuntere ich die Eltern, dass sie mit T. auch zu Hause mit Rückzug und Neugier spielen. Dazu eignet sich Verstecken spielen oder auch ein Tischhaus bauen. Die Mutter wird auch mit der Kindergärtnerin sprechen und erklären, dass es wichtig ist bei T. in Rückzugsmomenten die Neugier zu wecken oder ihm zu ermöglichen sich zuerst einmal zu verstecken und T. entscheiden zu lassen, wann er wieder hervor kommt. Dabei ist es wichtig T. auch in der Kommunikation über die blockierte Stufe zu begleiten. “Magst du dich zurückziehen?” “Kommst du wieder wenn du neugierig bist?” “Du kannst auch vorsichtig hervorkommen!” “Ist es schön versteckt zu sein?”

T. im richtigen Moment diese Möglichkeiten anzubieten, wird ihn dabei unterstützen neue positive Erfahrungen auf der Amphibien-Stufe zu machen. Es soll ihm ermöglichen leichter und gezielter zu unterscheiden, wann ein Rückzug wirklich angebracht ist oder ob eine natürliche Neugier mehr Sinn macht. Gerade im Kindergarten und später auch im Schulalltag wird es für T. wertvoll sein, wenn seine Neugier in stressigen Momenten, wenn neue Lernerfahrungen anstehen, nicht gleich verschwindet.

Auch ältere Kinder benötigen manchmal den Rückzug um neues zu lernen

Meeting Evopäd© – Säugetier

Mittels kurzen Blogartikeln stelle ich euch in regelmässigen Abständen, Beispiele aus meinem Arbeitsalltag mit der Evolutionspädagogik vor. Diese Einblicke sollen aufzeigen, welche Sicht die Evopäd© auf Verhaltensweisen hat und wie eine Lösung aussehen könnte.

Wer zum ersten Mal zu mir in eine Beratung kommt, der macht auch gleich Bekanntschaft mit der Säugetier-Stufe des Evopäd®-Modells. Die meisten Tests die ich in der ersten Beratung durchführe ordnen wir dieser Stufe zu. Dies macht auch Sinn, denn die Evolutionspädagogik® setzt damit an der Schnittstelle vom unbewussten zum bewussten Denken an. Wenn dieser Übergang, sowie auch die Verbindung von der rechten zur linken Hirnhälfte stabil ist, dann gelingt es am erfolgreichsten Stress zu überwinden und Problemlösungen zu finden.

Wenn jüngere Kinder zu mir in die Praxis kommen, dann liegt bereits eine liegende Holzacht an ihrem Platz am Tisch. Eine neue Umgebung, eine unbekannte Frau und eine Diskussion, bei der sich alles um die eigenen Person dreht, ist eine stressige Angelegenheit und verunsichert die meisten Kinder. Deshalb nutze ich dieses einfache Hilfsmittel und biete dem Kind die Gelegenheit, die Acht mit einer Kugel oder dem Finger abzufahren. Während ich erste Worte mit der erwachsenen Begleitperson wechsle, hat das Kind bereits die erste Stresshürde gemeistert. Die liegende Acht hat geholfen, das Kind spielerisch in seiner Gefühlssicherheit zu stärken. Bei älteren Klient*innen erfolgt die selbe Stabilisation mit einer gemalten liegenden Acht auf dem Papier und den dazugehörigen Schlaufen.

Viele allgemein bekannte Übungen aus Brain-Gym oder Bewegungsübungen aus der Kinesiologie unterstützen die Zusammenarbeit der Gehirnhälften und stabilisieren diese Stufe. Dies ist auch der Grund, weshalb viele Lehrpersonen sie im Unterricht einsetzen. Sie wissen, ein ausbalanciertes, stressfreies Gehirn lernt am besten und Kinder sind in der Regel gerne für Bewegungsübungen zu haben. Eine Win-Win-Situation für alle!

Ein grosser Vorteil bietet die Evopäd® in ihrer Interpretation, wann bzw. bei welchem Verhalten ein Kind (oder Erwachsener) von Übungen dieser Stufe profitieren kann. Ist eine Person aggressiv, traurig, ängstlich, schlecht gelaunt, weinerlich, nicht sicher in seinen Bedürfnissen, dann ordnen wir dies der Säugetierstufe zu. Dann ausgeführt, helfen die Übungen am meisten und ermöglichen es aus der Unausgeglichenheit herauszufinden.

Andere Themen dieser Stufe können sein: Probleme mit dem Zeitmanagement, Nähe/Distanzempfinden, links/rechts Unsicherheit, fehlende Händigkeit.

Möchtest du mehr erfahren? Evopäd® Übungen gezielt in der Schule oder auch privat einsetzen? Gerne gebe ich darüber Auskunft.

Säugetiere treffen sich

Choose your battles – Du entscheidest wo du deine Energie hinein gibst

Der Satz “choose your battles” begleitet mich als Mutter seit Jahren. Es begann damit, als ich mich entschied, mich nicht zu rechtfertigen, wie lange ich stille. Bald darauf hatte ich es mit Kleinkindern zu tun, bei denen mein “Nein” grosse Gefühlsausbrüche zur Folge haben konnte und endet bis heute nicht, wenn ich mit meinen Teenagern über Medienkonsum diskutiere. Ich teile meine Energie ein, damit ich im richtigen Moment für (m)eine Sache einstehen kann. Dabei spare sie mir in anderen Situationen, bei denen ich ebenfalls “ein Fass aufmachen könnte”, bewusst ein. Ich ziehe mich z.B. aus einer Diskussion zurück, lasse mein Kind selber wursteln (obwohl ich meine es besser zu wissen) oder überlasse etwas bewusst dem Lauf der Dinge.

Einfach mal laufen lassen und schauen was passiert

Seit einiger Zeit verfolge ich, dass es Elterninitiativen gegen das Hygienemaske tragen von Grundschüler*innen gibt. Es wird darüber mittels Blogbeiträgen, Flyer, Statusposts etc. informiert, dass das Tragen der Hygienemasken im Unterricht oder beim Ausüben von Freizeitaktivitäten schaden kann. Dafür werden Spenden und Mitgliederbeiträge gesammelt, um für die Sache zu werben und eventuelle Rechtsstreitigkeiten vor Gericht finanzieren zu können.

Es ist wichtig, dass Eltern sich für ihre Kinder einsetzen, wenn sie merken, dass sie mit einer Situation nicht klar kommen. Eltern haben für so etwas ein gutes Gespür. Sie sind es, die ihr Kind bei mir zur Beratung anmelden, weil sie spüren, wenn es sein Potential nicht ausschöpfen kann und der Stress in einem Lebensbereich zu gross ist. Ein grosser Teil meiner Arbeit besteht darin, die Eltern darin zu bestärken, dass sie ihrem Gefühl vertrauen können und sie die Profis für ihr Kind sind. Sie tragen damit auch massgeblich dazu bei, dass sich Probleme lösen.

Aber es ist auch so, dass die Eltern bei mir in der Beratung oft zum ersten Mal vom Kind selbst hören, was genau Probleme verursacht und wie das Kind darüber denkt. Manchmal ist dann die ursprünglich vermutete Ursache gar nicht der Auslöser für das Problem. Es stellt sich heraus, dass das Kind gedanklich und gefühlsmässig an einem anderen Punkt steht als erwartet. Dies hat nichts damit zu tun, dass Eltern versagen oder ihr Kind nicht richtig kennen. Ob gross oder klein, niemand kann einem andern ins Innerste schauen. Deshalb ist es wichtig, dass das Kind Raum für eine wertfreie Kommunikation erhält und dann auch die Lösungsfindung vom Kind her erfolgt. Meine Aufgabe und die der Eltern ist es, das Kind darin zu unterstützen und bestärken. Dabei räumen wir keine Hürden aus dem Weg, die das Kind selber bewältigen kann und achten auch darauf, dass es nicht überfordert wird.

Das Gehirn lernt genau dann, wenn die Problemstellung passend ist, um es selbst zu schaffen. Ist die Aufgabe zu leicht oder zu schwer, dann gelingt dies nicht.

Zurück zur Maskendebatte. Ich meine, auch ich erschrecke mich noch immer, wenn ich all diese Grundschüler*innen nach dem Unterricht mit ihren aufgezogenen Hygienemasken heimmarschieren sehe. Es löst in mir viele Gefühle aus und führt mir vor Augen, dass wir uns noch immer in einer Pandemie befinden. Tagtäglich werden wir damit konfrontiert, dass wir inmitten einer Situation leben, die noch niemand von uns bisher kannte. Jede Stunde hören wir im Radio, dass sich neue Tatsachen ergeben und dabei andere wieder hinfällig sind. Keiner kennt die perfekte Lösung, weil es sie nicht gibt und alle sind davon betroffen. Die Pandemie wird uns noch lange begleiten. – Ich stelle mir aber die Frage: Haben all diese Schüler*innen geäussert, Probleme mit dieser Maskentragepflicht zu haben? Meine eigenen Recherchen dazu haben ergeben, dass ein grosser Teil der Jugendlichen einfach mit den Schultern zuckt. Ein Schüler bekundete Erleichterung, weil er schon lange eine Maske tragen wollte, sich aber nicht getraute als einziger eine zu tragen. Aus meinem Alltag in der Spielgruppe kenne ich kein einziges Kind, welches Mühe bekundete, dass ich während dem Betrieb eine Schutzmaske trage. Auch bei meinen Beratungen hat sich bisher niemand negativ geäussert. Beim Einkaufen führe ich regelmässige Grimassen- und Lachtests bei Babys und Kleinkindern durch, welche ebenfalls zu 100 % erfolgreich enden, denn die kleinen Menschen lachten immer zurück. Obwohl die Hälfte meines Gesichts verdeckt ist!

Ich kann mich übrigens nach einiger Zeit nicht mehr daran erinnern, ob ich an einem Ort eine Maske getragen habe oder nicht. Wenn etwas als Routine im Gehirn abgespeichert wurde, dann ist es nicht mehr relevant fürs Bewusstsein.

Ich meine, ich bin wirklich froh, wenn diese Hygienemasken in unserem Alltag keine grosse Rolle mehr spielen. Diese Zeit wird wieder kommen, ganz bestimmt. Kein Mensch wird diese Hilfsmittel absurdum tragen, wenn eine Herdenimmunität erreicht wurde. Aber wäre es bis dahin nicht sinnvoll, diesen Kampf situationsbezogen zu führen? Nämlich dann, wenn ein Kind Probleme damit hat? Dann findet sich nämlich die passende Lösung für die Situation und das Kind. Dabei werden keine zusätzlichen Kinder verunsichert, weil sie erleben wie ihre Eltern gegen etwas in den Kampf ziehen, was noch ein Weilchen zu unserem Alltag gehört. Wäre es für die Kinder nicht wichtig, trotz Pandemie wieder Hobbys ausüben zu können, ihre Freunde zu treffen? Kinder- und Jugendtreffs dürfen mit Erlaubnis des BAG ihre Angebote wieder aufnehmen und oft sind diese auf Unterstützung von Elterninitiativen, Freiwilligenarbeit und Fördergelder angewiesen. Dort könnte man viel Man- und Womanpower und auch Geld investieren. Dabei sollte es keine Rolle spielen, ob Masken getragen werden müssen oder nicht Hauptsache diese Angebote finden statt! Unsere Jugend wird uns danken, wenn wir für sie “diesen Kampf” wählen.

Du bist verunsichert, wütend oder enttäuscht nach dem Lesen dieses Beitrags? Dieser Beitrag widerspiegelt meine persönliche Sicht und dient lediglich dazu (m)eine Perspektive zu übermitteln. Er hat deshalb nichts mit deinem Leben zu tun, wenn du dies nicht willst. Ich respektiere, dass es Menschen gibt, die dies ganz oder in Teilen anders sehen, denn es ist wichtig, dass sich Eltern für sich oder ihr Kind einsetzen, wenn die Hygienemaske Probleme bereitet und dabei auch Gehör finden, damit eine sinnvolle, situationsbezogene Lösung gefunden werden kann. Dies ist in meinen Augen dann am ehesten möglich, wenn die Mehrheit eine Minderheit schützt.

Immer Sonntags…ein Gedankenspiel aus der Evopäd®

Der ältere, hintere Teil des Gehirns, also Hirnstamm und Kleinhirn, erfüllt vor allem die grundlegenden Lebensfunktionen. Von dort aus werden wir auch “regiert” wenn eine Stresssituation uns scheinbar zur Flucht- und Kampfreaktion zwingt. Im vorderen Gehirnbereich hingegen sitzen jüngere geistige Errungenschaften des Menschen: Hier wird vernunftgesteuertes, überlegtes und auf ein Ziel gerichtetes Handeln möglich gemacht.

Aus “Kinesiologie für Kinder – Wie sie Lernblockaden abbauen” von Ludwig Kroneberg und Gabriele Förder

Meeting Evopäd® – Fisch

Mittels kurzen Blogartikeln stelle ich euch in regelmässigen Abständen, Beispiele aus meinem Arbeitsalltag mit der Evolutionspädagogik vor. Diese Einblicke sollen aufzeigen, welche Sicht die Evopäd© auf Verhaltensweisen hat und wie eine Lösung aussehen könnte.

Jugendliche Klient*innen sitzen häufig bei mir am Tisch, starren ins leere und können dabei nicht sagen, was das Problem ist, was sie fühlen, was sie wollen….. Sie sind lustlos und ohne jede Energie. Wenn mal etwas gesprochen wird, dann am ehesten: “Es ist mir egal.” oder “Das Leben ist halt scheisse.” Dabei überkommt mich oft das Gefühl, wir sässen gemeinsam vor einem Berg, der unüberwindbar erscheint und ich müsse mein Gegenüber dazu bewegen, entweder den Berg wegzuschaufeln oder hoch zu klettern. Das wird aber nicht passieren, denn genau deswegen ist dieser Schüler, diese Schülerin bei mir gelandet. Da haben sich bereits Eltern, Lehrer*innen und andere gutmeinende Menschen kommunikativ erfolglos abgemüht. Mein Gegenüber ist in seinem Urvertrauen erschüttert und es fehlt die Ruhe und Gelassenheit die Situation zu meistern. Mit den Umbrüchen, die in dieser Lebensphase automatisch erfolgen, entfernt sich der Schoss der Mutter, die starke Schulter des Vaters und es benötigt neue Strategien, um sich als junge*r Erwachsene*r in Sicherheit zu wiegen.

Die Jugend hat Heimweh nach der Zukunft.

Jean-Paul Sartre
Wenn die (Ur-)Sicherheit fehlt.

Auf dem Modell der Evolutionspädagogik®, ordnen wir die Fischstufe dem unbewussten Denken zu. Es befindet sich im Stammhirn, welches uns zu Urzeiten aus Situationen gerettet hat, in denen reflexhaft reagiert werden musste. Dies erklärt auch, weshalb bei Blockaden auf dieser Stufe Gespräche nicht zielführend sind. Sie erreichen unser Gegenüber nur schwer und tragen nicht dazu bei, dass eine Handlungsfähigkeit entsteht, um das Problem zu lösen, zumal das Problem selbst, ja gerade vom Klienten/der Klientin nicht vollumfänglich erfasst werden kann.

Wenn Sprache versagt, dann hilft Bewegung. Mit diesem Grundsatz aus der Evolutionspädagogik® gelingt es die Klippe zu umschiffen. Die Grundübung aus dieser Stufe ermöglicht es, auf einfache Weise körperlich zu spüren, was es bedeutet “einfach da zu sein”. Dabei sind Augen und Gleichgewicht noch nicht relevant. Einzig die Atmung und dann und wann eine leichte Schaukelbewegung sind dafür nötig. Dabei ist es wie in jeder Evopäd®-Übung nicht wichtig, wie gut es gelingt. Viel wichtiger ist es sich einfach in diese Körpererfahrung zu begeben und zu beobachten wie es sich anfühlt.

“Einfach da sein.”

“Einfach da sein ist genug”

Ein anregendes Frühstücksgespräch

Unser heutige Start in den Tag begann zu meiner grossen Freude wieder einmal mit einem intensiven Frühstücks-Gespräch. Während dem Essen hörten wir in den Nachrichten, dass die gestrigen neuen Beschlüsse des Bundesrates zur Wiederöffnung nach dem Shutdown nicht überall auf Zustimmung stiessen.

Ich beobachtete, dass beide anwesenden Kinder aufhorchten.

“Oh, das ist aber interessant, dass nicht alle einverstanden sind”, versuchte ich das gehörte aufzugreifen.

“Ha, das ist ja logisch”, meinte das eine Kind. “Wenn die einen wieder öffnen dürfen und die anderen nicht, ist es ja klar, dass sich welche benachteiligt fühlen! Manche möchten halt lieber in Restaurant und nicht einkaufen. Oder am liebsten gleich beides gleichzeitig.”

“Ja, genau,” meinte ich. “Aber es geht halt nicht anders derzeit. Daran ist einfach die Pandemie schuld. Darüber haben wir ja schon oft gesprochen. Es geht einfach nicht, dass es für alle gerecht sein kann. Dies erklärt ja auch der Bundesrat immer und immer wieder.”

Beide Kinder essen schweigend und in Gedanken versunken weiter. Ich spüre meine leise Enttäuschung darüber, dass das Gespräch nach dem interessanten Start bereits endet.

Da beginnt das eine Kind von neuem: “Das ist halt wie in der Schule. Die einen finden es auch nicht schlimm, wenn der Lehrer oder die Lehrerin eine Rechnungsstunde ankündigt und die anderen jaulen auf, weil sei es doof finden.”

“Ja, es spielen auch nicht alle Kinder gerne Unihockey,” erwidert wiederum das andere Kind mit einem verständnislosen Blick, denn es lieeeebt Unihockey.

Ich ergreife jetzt die Gelegenheit und frage: “Und was gäbe es denn nun für eine Lösung für die Benachteiligten? Zumindest im ersten Moment?”

Es ist eine Weile still und alle widmen sich wieder dem Frühstück.

“Man muss es halt über sich ergehen lassen,” meint dann das ältere Kind und ich staune über diese Wortwahl.

Ich frage in die Runde: “Gäbe es denn noch eine andere Sicht? Vielleicht eine aktivere?”

“Ja”, erwidert das das andere Kind, “man könnte neu verhandeln?” Nach einer kurzen Denkpause, gehen wir darin einig, dass es ja eben nicht möglich ist, weiter zu verhandeln, denn die Situation muss akzeptiert werden wie sie ist.

Ich spüre, dass das MÜSSEN bedrückend im Raum steht. Beide Kinder kennen die Erfahrung, etwas zu müssen, aus ihrem Alltag. Die Ausweglosigkeit, die damit im Raum steht und eine Hürde sein kann. Es bedrückt mich, dass als Lösung nur “Es über sich ergehen lassen” im Raum steht, obwohl diese je nach Situation natürlich auch sinnvoll sein kann.

Nun rennt uns die Zeit davon und ich spüre, dass es wohl nicht möglich sein wird, die Kinder bei einer eigenen Lösungsfindung zu begleiten. Dennoch möchte ich dies nicht so im Raum stehen lassen. Es fühlt sich wie eine verpasste Chance an.

Ich ergreife ein Blatt Papier und schreibe auf die eine Seite:

“Ich lasse es über mich ergehen! – Passiv”

und auf die andere

“Ich mache das Beste daraus! – Aktiv”

Nachdem ich beiden Kindern die beiden Seiten nacheinander gezeigt habe, liegt Aufbruchstimmung in der Luft. Bald werden alle in ihren individuellen Alltag starten. Da meint das eine Kind, während es bereits aufsteht: “Ha, man kann ja jetzt zum Coiffeur und wenn dann die Läden öffnen, dann kann man sich ein neues Outfit kaufen und hat dann im nächsten Monat wieder Geld, um neu gestylt, mit tollen Kleidern ins Restaurant essen gehen! Ich glaube, so macht man das Beste daraus.”

Mit diesem Text möchte ich aufzeigen, dass es aktive und passive Handlungsweisen gibt. Dabei ist es mir wichtig festzuhalten, dass dabei nicht gewertet werden darf, welche davon ein Mensch wählt. Dies hängt von vielen Faktoren ab. Uns Aussenstehenden bleibt dann wiederum die Wahl, ob wir es über uns ergehen lassen und/oder das Beste daraus machen. Wichtig dabei ist, dass wir handlungsfähig sind, um uns frei für die für uns stimmige Lösung zu entscheiden.

In Gedanken bin ich (und ich weiss auch meine Kinder) bei all den Menschen, die es in der momentanen Situation schwer haben und mit wirtschaftlichen Sorgen kämpfen. Für sie halten wir uns penibel an alle Auflagen des Bundes und hoffen damit beitragen zu können, dass sich die Situation verbessert. Nebenbei plane ich meinen nächsten Coiffeur-Besuch, die Kinder benötigen alle neue Sommerkleider und es gibt eine umfangreiche Liste mit geplanten Museum- und Restaurantbesuchen.

Leben im Spagat – Herausforderung leben

Noch immer ist unser Alltag von der Corona Pandemie bestimmt. Dennoch hat sich das Leben verändert. Wir alle konnten (mussten) neue Wege und Strategien finden und orientieren uns an dem, was möglich und vernünftig ist. Dies ist ein Rückblick mit anschliessender Feststellung, dass der Ausblick in die Zukunft müssig ist, wenn eh nur der Moment beeinflusst werden kann.

Leben im Spagat

Bald ist es ein Jahr her, dass ich mir mit meinem Homeschooling-Blog, den Überblick, in der damals noch neuen Corona-Situation, verschafft habe. Man könnte auch sagen, es war mein Strohhalm, als ich meine Beratungstätigkeit als Evolutionspädagogin® gezwungenermassen einstellen musste. Diese Zeit hatte mir deutlich vor Augen geführt, wie sehr ich meine Arbeit liebe und damit tätig sein möchte. Noch immer befinden wir uns in der Pandemie und derzeit wieder in einem Lockdown, wobei man diesen nun als – Shutdown – bezeichnet. Die Begrifflichkeiten ändern sich, die Herausforderung, die diese Pandemie an unsere Gesellschaft stellt, besteht noch immer. Es ist ein ewiges auf und ab, hin und her. Fast könnte man daran verzweifeln.

Anders als noch im ersten Shutdown, kann ich dieses Mal meine Lernberatungen anbieten. Erkenntnisse über das Virus haben ergeben, dass Abstand, Handhygiene, Lüften, Desinfektion und Hygienemasken eine Beratung sicher machen. Eine anfängliche Skepsis meinerseits, was das Maskentragen anbelangt, konnte ich ablegen. Es war ermüdend zu Beginn, aber nur so lange bis mein Gehirn sich an die neue Situation angepasst hat. Anstatt auf die Gesichtsmimik, achte ich automatisch mehr auf den Körperausdruck und den Augenausdruck. Eine neue Erfahrung und ebenso eine Schulung für die Zukunft. Sollten wir wieder ohne Hygienemasken physischen Kontakt haben können, habe ich einen erweiterten Beobachtungsschatz und werde diesen einsetzen können. Meine jungen Kund*innen haben sowieso keine Probleme. Sie gehen unbeirrt durch das Leben und lassen sich von solchen Nebensächlichkeiten wie Hygienemasken nicht in ihrer Entwicklung hemmen.

Dank der vielen Zeit und Mühe die ich letzten Frühling in meine Blogs investiert habe, haben in den letzten Monaten viele Menschen den Weg in meine Beratungspraxis gefunden. Sie konnten mich über meine Blogbeiträge im Vorfeld bereits etwas kennenlernen und erste Grundlagen über die Evolutionspädagogik® erfahren. Dies ist etwas, was ich nie in diesem Umfang erwartet hätte. Dies zu erleben, hat mich unglaublich beeindruckt und beseelt. Gleichzeitig ist es mir ein Ansporn nicht aufzugeben und den geweckten Erwartungen gerecht zu werden.

Die neuen Hürden in meinem Alltag bestehen nun darin, die Beratungen mit meinen Blogs zeitlich unter einen Hut zu bringen. Obwohl ich gerne schreibe und es mir leicht fällt, ist es dennoch zeitintensiv. Momentan habe ich zu akzeptieren, dass die Tätigkeit in der Beratungspraxis im Zentrum steht und die Schreibzeit etwas hinten an stehen muss. Quasi das Gegenteil von letztem Frühling. Aber wer weiss schon, wie es nächsten Frühling aussehen wird. Mir darüber Gedanken zu machen ist vergeudete Zeit.

Ich spüre deutlich, dass es nun wichtig ist, den Menschen zu begegnen. Es gibt, trotz Pandemie, sichere Möglichkeiten sich zu treffen, auszutauschen und gemeinsam Lösungen zu finden. Wir sind soziale Wesen, dafür geschaffen uns an unserem Gegenüber zu spiegeln, unsere Position in der Gruppe zu finden und Meinungsverschiedenheiten von Angesicht zu Angesicht auszutragen. Dies macht uns aus, das gibt uns Sicherheit und lässt uns wachsen. Keine*r sollte alleine sein und es gilt mit Verstand und Vernunft Lösungen zu finden, um niemanden im Stich zu lassen. Auch wenn es momentan Beschränkungen gibt, mit wie vielen Menschen und Haushalten man sich treffen darf, heisst dies nicht, dass man niemanden treffen darf. Im Gegenteil, ein Treffen kann dadurch auch an Gewicht und Exklusivität gewinnen. Ich sehe dich, ich treffe dich und nehme mir Zeit für dich! Gleichzeitig hilft ein gemeinsamer Spaziergang gleichzeitig den Vitamin D-Tank zu füllen und stärkt das Immunsystem. Ein Schwatz mit dem Verkäufer, der Versicherungsberaterin am Telefon oder den Schulkindern auf dem Heimweg, nutzen wir den Moment der Begegnung und gestalten wir ihn positiv. Vergessen wir was sein könnte, schöpfen wir aus dem was wir haben.

Es ist allein der Moment der uns gehört.

Meeting Evopäd® – Affe

Mittels kurzen Blogartikeln stelle ich euch in regelmässigen Abständen, Beispiele aus meinem Arbeitsalltag vor. Diese Einblicke sollen aufzeigen, welche Sicht die Evopäd® auf Verhaltensweisen hat und wie eine Lösung aussehen könnte.

L. ist eine aufgeweckte 5. Klässlerin und ist gern mit anderen Kindern zusammen. Immer wieder kommt es jedoch in Gruppensituationen zu Streitereien bei denen L. federführend ist. In der Schule sind die Leistungen der Schülerin gut bis hervorragend, wenn es um den aktuellen Stoff geht. Wenn ein Wissensthema schon etwas länger zurück liegt, dann fällt es L. schwerer sich daran zu erinnern und daran anzuknüpfen. Die Lehrerin muss L. während dem Unterricht häufig auffordern sich wieder an den Platz zu setzen, weil sie unnötig im Klassenzimmer umherwandert.

Ich arbeite mit L. in der 5. Stufe des Evopäd® Modells, der Affenstufe. Die immer wieder auftauchenden Streitereien in der Gruppe deuten drauf hin, dass sich die Schülerin schwer tut, wenn es um Teamkompetenzen geht. Dabei kann sie gut herrschen und Stimmung machen, es fällt ihr jedoch schwer sich anzupassen. Das umherwandern im Unterricht könnte darauf hindeuten, dass ihr der Überblick fehlt. Es könnte auch sein, dass L. sich von der Gruppe abhängig sieht und dabei ihre Individualität vergisst. Von Übungen im Turnunterricht, die Gleichgewicht, Klettern und Balancieren beinhalten, würde L. sehr profitieren. Dabei ist es wichtig, dass sie den Blick in der Balance frei im Raum umherschweifen lässt. Wahlweise könnte es auch Helfen einen Text auf dem Schaukelbrett o.ä. zu lesen, um das ziellose Umherwandern im Unterricht zu durchbrechen. Bei den Übungen bei mir in der Beratungspraxis begleite ich die Bewegungen sprachlich mit “Beschäftige dich mit dir selbst” oder “spiele mit den anderen”.

Die Themen der Affenstufe sind in der Pubertät besonders aktuell. Klettern, Schlittschuhfahren, Jonglieren oder auch Gruppenspiele können in der Schule gezielt eingesetzt werden, um den Jugendlichen wertvolle Impulse zu geben und das Klassenklima zu verbessern.

Einfach mal Affig sein…

Achtung: es gibt immer wieder Kinder die von Gleichgewichtsübungen, Jonglieren etc. überfordert sind und alles üben und motivieren keine Fortschritte bringt. Dort hilft es einen Blick in die darunter liegenden Stufen zu werfen. Vielleicht beginnt dieses Kind vorerst mit Übungen aus der 4. Stufe (Säugetier), um dann darauf aufbauen zu können.

Immer Sonntags…ein Gedankenspiel aus der Evopäd®

Ob wir etwas als positiv oder negativ, als interessante Herausforderung oder als unüberwindbares Hindernis bewerten, hängt von unseren Vorerfahrungen ab. Schon der griechische Philosoph Epiktet sagte: “Nicht die Dinge selbst beunruhigen uns, sondern unser Meinungen über diese Dinge.” Ob ich also beispielsweise Blitz und Donner während eines Gewitters als gefährlich und bedrohlich oder stattdessen als spannend und aufregend empfinde, hängt davon ab, welche Erfahrungen ich in der Vergangenheit mit Gewittern gemacht habe.

Auch wie ein Kind etwa eine schulische Aufgabenstellung bewertet, ist von seinen Vorerfahrungen abhängig. In der Pädagogik müssen wir daher alles daran setzen, dass Schüler*innen positive Erfahrungen vermittelt werden. Dies erfordert, dass Aufgabenstellungen und Anforderungen so an die Kinder herangetragen werden, dass sie beherrschbar sind.

Auszug aus dem Buch “Das bewegte Gehirn – 7 Körperübungen für clevere Kinder” von Ludwig Kroneberg und Silke Gramer-Rottler

Homeschooling – ein Tagebuch – Tag 57

Eine Familie bestehend aus Vater, Mutter und 3 Kindern wird durch die Schulschliessung, eine Massnahme der Schweizer Regierung aufgrund der Corona Pandemie, mit Homeschooling konfrontiert.

Freitag, 8. Mai 2020

Inspirierende Lernerfahrung

Erklärungen und Hilfen rund ums Thema Lernen sind meine Spezialität. Ich beschäftige mich tagtäglich mit Lernprozessen und allem was dazu gehört. Praktisch daran ist, obwohl ich nicht zur Schule gehe, als Mensch dennoch ständig einem Lernprozess ausgesetzt bin. So werde ich mehr oder weniger ständig mit dem Thema konfrontiert. Es gilt dann auf der Hut zu sein und ein Bewusstsein zu entwickeln, um die Lernerfahrung in dem Moment zu erkennen. Das gelingt mir auch mal mehr oder weniger, denn wie in jedem Beruf oder jeder Tätigkeit, stellt sich dabei manchmal eine gewisse “Betriebsblindheit” ein. “Man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht”, wie man so schön zu sagen pflegt.

Eben sass ich vor dem PC und habe auf YouTube live den aktuelle “Point du presse” des Bundesrates mitverfolgt. Ein grosser Teil der Pressekonferenz fand in französischer Sprache statt. Zuerst war ich genervt, weil es so für mich viel schwerer war die Informationen zu verstehen und gleichzeitig deren Hintergrund zu erfassen. Dann ertappte ich mich beim Gedanke wie sympathisch und was für ein guter Redner Bundesrat Alain Berset doch ist. Kurze Zeit später merkte ich, dass ich die Herausforderung angenommen hatte. Ich begann meine Fremdsprachenkenntnisse zu testen, was mir dann auch zunehmend Spass bereitete und zufriedenstellend klappte. Neben bei dachte ich mir auch, was für ein tolles Land die Schweiz doch ist und bewunderte mit welcher Selbstverständlichkeit die Teilnehmer dieser Pressekonferenz zwischen zwei Landessprachen hin und her wechselten. Zu guter Letzt ertappte ich mich beim Gedanken: “Wieso nicht öfters mal wieder meine Französischkenntnisse aktiv einsetzen und auffrischen?”

Wow, was ist denn da alles passiert?

Zuerst war mein Gehirn gar nicht bereit etwas lernen zu wollen. Ob es daran lag, dass den beiden Hirnhälften durch den Stress die Vernetzung fehlte? Bestimmt! Es ist etwas anderes, wenn man lediglich mit einem Ohr hinhören muss und die Informationen im vorbeigehen aufnehmen kann, als wenn man noch den Umweg “genau hinhören und dann noch den Fremdsprachenspeicher einschalten” einsetzen muss. Dafür musste erst einmal ein Gleichgewicht gefunden werden. Da halfen der sympathische Lehrer Bundesrat Berset, aber auch die Wissbegierde (ich wollte unbedingt die neusten Corona-Infos habe) mit. Damit stellte sich der Spass ein. Spass (oder auch dürfen bzw. es sich zu erlauben) ist “DIE Superkraft” um Gehirnleistung zu erbringen (hier schrieb ich bereits einmal dazu) . Schlussendlich gab es dann sogar noch eine Zusatzbelohnung in Form der Feststellung, dass es als Schweizerin absolut Sinn macht, eine weitere Landessprache zu erlernen und regelmässig zu üben. Das ist doch schon mal eine gute Voraussetzung für eine nächste Französischlektion.

Dieser Blogbeitrag entstand in vollkommener Ruhe und Konzentration. Die Dauer der Medienzeit der Kinder, lag dafür weit über der erlaubten Tagesmenge, was aber für einmal niemand bemängelte oder störte.

In der Komfortzone gibt es nichts was dich weiterbringt. Stell dich der Herausforderung!