Meeting Evopäd© – Reptil

Mittels kurzen Blogartikeln stelle ich euch in regelmässigen Abständen, Beispiele aus meinem Arbeitsalltag mit der Evolutionspädagogik vor. Diese Einblicke sollen aufzeigen, welche Sicht die Evopäd© auf Verhaltensweisen hat und wie eine Lösung aussehen könnte.

Jeder Mensch, der mit Kindern und Jugendlichen zu tun hat, der kennt die Verhaltensweisen die wir in der Evolutionspädagogik® der Reptil-Stufe zuordnen. Blockaden in dieser Stufe äussern sich meist sehr deutlich und lassen uns hilflos zurück, weil wir trotz viel Reden, Strafen und Schimpfen nichts erreichen.

Unser Reptil-Hirn ist eine nützliche Sache und hat uns Menschen weit gebracht. Es ist sozusagen die Kommandozentrale fürs Überleben. Wach sein, Schlaf, Atmung, Temperatur und grundlegende automatische Bewegungen werden von dieser Gehirnstufe (Kleinhirn) kontrolliert. Bei akuter Gefahr, wenn eine schnelle Reaktion gefordert ist, dann lässt es uns entweder erstarren oder loslegen.

Blockaden in der Reptil-Stufe können sich darin zeigen, dass ein Mensch ständig unter Strom steht. Sein Verstand möchte zwar anders, aber sein Körper kann es nicht zulassen. Nägel kauen, mit dem Bein wippen, ein verkrampfter Kiefer können äusserliche Anzeichen sein. Gerade bei jüngeren Kindern kann sich ein Verhalten in dieser Stufe darin äussern, dass Spielsachen impulsiv umhergeworfen, andere Kinder gebissen oder gehauen werden. Dabei ist es offensichtlich, dass diese Handlungen dem Kind passieren ohne, dass es vorsätzlich handelt. Wir können deshalb als Eltern/Pädagog*innen noch so oft sagen, dass dieses Verhalten nicht erwünscht ist. Das Kind weiss dies (wenn es nicht im Stress ist), aber wenn der Stress überhand nimmt, dann “macht” es mit ihm. Unser Reptiliengehirn macht das, was sich seit Beginn der Evolution bewährt hat, es übernimmt die Kontrolle im unbewussten Denken.

Deshalb ist es als Mutter/Lehrperson hilfreich zu wissen, dass es nichts nützt loszuschimpfen und am eigenen Verstand zu zweifeln, weil man manches halt schon 100 Mal gesagt hat und es dennoch nichts nützt. Im Gegenteil, eine Schimpftirade erhöht den Stress gleich noch einmal um ein Level und ist hinderlich, um ein Umdenken fürs nächste Mal zu bewirken. Vielmehr hilft es, sich bewusst zu machen, dass wir einen Menschen in dieser Gehirnregion nicht über den Verstand (Reden) erreichen können. Was wir brauchen ist eine “Ansprache” über die unbewussten Reflexe. Erst danach, im wieder stressfreien Zustand (wenn andere Gehirnregionen wieder Mitspracherecht haben), kann im Ruhe über das Verhalten gesprochen werden, wie ähnliche Situationen in Zukunft vermieden oder anders bewältigt werden können.

Dank der Evolutionspädagogik® gibt es zum Glück Interventionsmöglichkeiten die, wenn man sie kennt, ganze Klassen aus dem “Reptil-Modus” holt oder Eltern dabei unterstützt adäquat auf Kleinkinder zu reagieren, wenn diese entwicklungsbedingt diese Stufe entdecken. Praktischerweise sind diese Übungen so einfach und spassig, dass niemand gross dazu überredet werden muss. Denn wie immer gilt: das Gehirn lernt gerne in der Bewegung und mit Freude und Lust. Wichtig ist dabei einmal mehr: kurz und häufiger nicht lang und selten.

Gedanken zum Schulstart – aus der Sicht einer Mutter

Ich bin Lernberaterin, kenne viele Tipps und Tricks, weiss wie das Gehirn Lernprozesse meistert und kenne die neusten neurologische Studien. Dort bin ich sicher und habe die nötige professionelle Distanz. Aber: bin ich auch Mutter zweier schulpflichtiger Kinder und einer Schulabgängerin, die frisch mit der Berufslehre begonnen hat. Dort erlebe ich den veränderten Alltag, die neuen Herausforderungen aus nächster Nähe und intensiv mit.

Deshalb fühle ich mich mit dem Start des neuen Schuljahres immer wieder von neuem unsicher, neugierig, gefordert, überlastet, entlastet. Diese Gefühle (und noch einige mehr) wechseln im Stundentakt. Ich habe es bereits unzählige Male durchgemacht , es ist immer wieder von neuem HERAUSFORDERND.

Wieso ist das so?

Zum einen lasse ich jedes Jahr von neuem wieder LOS. Loslassen heisst nicht, dass es mir egal ist oder wird. Es heisst, dass ich weiterhin dabei bin, aber immer weniger helfe. Es ist das ewige Los der Elternschaft oder auch pädagogischen Begleitung. Alles ist darauf ausgerichtet, dass mein Gegenüber die Fähigkeiten erlangt für sich, seine Entwicklung, seine Lernerfahrungen selbst Verantwortung zu übernehmen.

Ich lerne auch immer wieder von neuem dazu. Denn jedes Kind sucht sich seinen EIGENEN WEG und nicht den, den einer von uns ein Jahr zuvor bereits gegangen ist. Es mag zwar das selbe Schulhaus, die selbe Lehrerin, der selbe Lehrer, das selbe Schuljahr sein, dennoch ist es anders und neu. Kein Lebensweg ist wie der anderen, deshalb muss ihn jede*r alleine gehen. Manchmal gehe ich auf Augenhöhe mit, oft bin ich aber weit dahinter oder schon ein Stück voraus. Dies ist aber immer meine Perspektive und die ist nie dieselbe wie die meines Kindes. Ich muss mich auf seine Augenhöhe begeben und beobachten, fragen um seine Sicht zu erfahren.

Dann ist nie alles im Gleichgewicht. Ich entwickle mich weiter. Wie die Kinder auch habe ich neue Ansprüche an mich und meine Tätigkeiten. War ich, als sie kleiner waren präsenter im Alltag, müssen sie mich heute aktiver um Hilfestellung bitten. Es ist ein Grenzlauf zwischen Unterforderung, Herausforderung und Überforderung. Bei uns allen. Auch mein Alltag ist wieder neu, auch ich muss mich wieder einfinden.

Was wenn der Tunnel nie zu enden scheint?

Deshalb lasse ich mir/uns Zeit, um dies alles Wachsen zu lassen. Meist sieht es nach den Herbstferien bereits etwas anders aus und läuft geordneter. Wenn nicht, dann ist genug Zeit und Raum, um bei den einzelnen Stressoren detailliert, ihn Ruhe hinzusehen und Lösungen zu suchen.

Was wenn der Alltagsstrudel total überfordert? Es ist alles zu nah oder zu weit weg? Profitiere von meinen Erfahrungen und der Sicht der Evolutionspädagogik®. Einfache Übungen helfen gezielt Stress zu überwinden. Nicht nur dem Kind, sondern auch seinen erwachsenen Begleiter*innen. Gemeinsam den eigenen Weg finden und zusammen wachsen, ist das Ziel.

Die Evolutionspädagogik® kennt keine Lösung

Wenn du erwartest, dass du in meinen Beratungen Anweisungen erhältst, wie du deine Probleme oder die deines Kindes lösen sollst, dann muss ich dich enttäuschen. So schrecklich dies jetzt auch tönen mag, so wunderbar ist es! Keine vorgefertigte einheitliche Lösung im Angebot zu haben, schenkt die Freiheit und Offenheit, um genau DEINE Lösung zu finden.

Oft finden die Eltern den Weg in meine Beratungen, weil sie am Ende ihres Lateins sind. Keiner kann mehr weiterhelfen. Die Lehrer*innen sind ratlos, Therapien helfen nicht (mehr), alles Üben hat nicht geholfen. Es scheint alles aussichtslos und die Perspektive fehlt. Der Stress ist so gross, dass nach dem letzten Strohhalm gegriffen wird. Das mag jetzt traurig und hoffnungslos klingen, aber es ist gleichzeitig die perfekte Situation um die Evolutionspädagogik® anzuwenden.

Der Stress bzw. das Verhalten damit, zeigt nämlich genau auf, in welcher Stufe des Modells wir arbeiten werden. Gleichzeitig bietet es die Möglichkeit, den Hilfesuchenden aufzuzeigen, wo seine Stärken sind. Was ich damit gemeint ist, lässt sich gut an Hand den “7 Leitsätzen der Evopäd®” darstellen:

  • 1. Einfach da sein ist genug.
  • 2. Schüchtern sein heisst sich schützen können.
  • 3. Aggressiv sein heisst kraftvoll sein.
  • 4. Ängstlich sein heisst Gefühle zeigen können.
  • 5. Egoistisch sein heisst für sich sorgen können.
  • 6. Laut sein heisst nach seiner Position suchen.
  • 7. Unvollkommen sein heisst noch wachsen können.

Die Evopäd® betrachtet “Defizite” wertfrei und als Stärke. Diese Betrachtungsweise nimmt mit dem Druck und den Stress die Faktoren die einer Lösung im Weg stehen. Sie ist eine der Schlüsselfaktoren, eine Schaltstelle der Evopäd®.

Nebst Stressfreiheit benötigt unser Gehirn auch Bewegung und Emotionen, damit es sich neue Abläufe und Erfahrungen verinnerlicht. Hier kommen nun die Bewegungsübungen (auch Grundübungen) der Evolutionspädagogik® zum Einsatz. Ganz nach dem Grundsatz:

“Lernen soll Spass und Freude bereiten.”

Mit den neuen Bewegungen, den neuen Sichtweisen besteht nun das optimale Umfeld für eine individuelle und nachhaltige Erkenntnis. Sie kann zur Lösung werden, sollte überhaupt noch eine gebraucht werden. In jedem Fall entstehen neue Denkweisen und die persönliche Entfaltung geht einen Schritt weiter.

Ich kann voller Freude behaupten, dass ich noch in keiner meiner Beratungen eine Lösung vorhergesehen habe und sich all meine Lösungsideen (die ich natürlich habe, aber immer für mich behalte) sich nie bestätigt haben. Dies nimmt mir die Last, für andere Menschen Lösungen finden zu müssen und ermöglicht es mir sie mit unvoreingenommenem Blick zu begleiten. Darüber hinaus schenkt es mir die Zuversicht, dass es in dieser Welt so viele unterschiedliche Lösungen wie Menschen gibt. Was für ein Potential!

Mit diesem Blogbeitrag möchte ich Mut machen. Mut um Probleme anzugehen, Mut sich dabei die nötige Zeit zu lassen und Mut das Vertrauen zu haben, dass es eine, nämlich DEINE, Lösung gibt.

An dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen, dass Evopäd® keine Therapie ist und ich keine Therapeutin bin. Mittels dem Modell der Evolutionspädagogik® lassen sich Lern- und Verhaltensprobleme bearbeiten, die den Schul, Arbeits- und Familienalltag betreffen. Ich stehe dabei ich mit meiner Erfahrung als Evolutionspädagogin®, Mutter und Mensch beratend zur Seite.

Probleme in der Schule? Gestresste Kinder, verzweifelte Eltern?

Wenn der Stress gross ist, dann ist oft die Hürde gross, um etwas Neues auszuprobieren. Mit diesem Beitrag möchte ich die Neugier wecken, einen unbekannten Weg zu gehen. Eine Entfaltungsberatung mit Evopäd® ist eine effiziente Hilfestellung für den Krisenmoment und bietet gleichzeitig eine nachhaltige Lösung für die Zukunft.

Kein Talent soll verloren gehen

Mache ich alles richtig? Gerade als Eltern ertappt jede/jeder sich mal bei der Frage, fördere ich mein Kind genug? Gebe ich genug Aufmerksamkeit und Unterstützung? Natürlich kommt die Frage nicht dann auf, wenn alles “rund” läuft. Wenn es keine Probleme in der Schule gibt, das Kind motiviert die Hausaufgaben erledigt und ein harmonisches Familienleben herrscht. Dann sind wir zufrieden und überzeugt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Aber wehe, es entsteht irgendwo ein Ungleichgewicht. Wenn es Stress und Probleme gibt, dann sind sie da, die Selbstzweifel.

Dabei freue ich mich immer wieder von neuem über das wunderbare Gespür der Eltern über das Potential und die Talente ihrer Kinder. Was ich anhand der Evopäd® herausfinde, wissen sie meist unbewusst schon. Um so verständlicher ist die Not, Verzweiflung und der Stress, weil es einfach nicht gelingt dieses Potential zu entfalten. Ich kenne dieses Gefühl aus eigener Erfahrung sehr gut. Bei mir selbst, aber auch bei meinen Kindern. Jede/r kennt die Situation in der man spürt, dass man etwas zwar weiss und kann, dennoch gelingt es einfach nicht es umzusetzen.

Dann wenn der/die Lehrer*in wissen will, weshalb die Leistung nicht stimmt, wenn das Kind sich zurückzieht oder wutentbrannt die Zimmertür knallt, dann wenn der Partner/die Partnerin selbst hilflos ist und auch eine Abklärung zwar eine Diagnose ergibt, aber keine Lösung (zumindest keine schnelle) bieten kann, dann ist erst recht nicht der Zeitpunkt in dem man innehält, durchatmet und sich in Gelassenheit übt. Viel eher befinden wir uns dann im Gedankenstrudel und haben den inneren Drang, dass eine schnelle Lösung her muss.

Damit fehlt in diesem Moment genau das, was eine nachhaltige und für alle zufriedenstellende Lösung begünstigen könnte – der Überblick. Sich einen Überblick zu verschaffen heisst nicht zwingend sofort eine Lösung für etwas zu haben. Der Überblick hilft viel mehr Probleme zu erkennen, Chancen abzuwägen und Möglichkeiten abzuschätzen. Eine Entfaltungsberatung schafft in erster Linie einen Überblick, um dann im zweiten Schritt die Lösung zu erarbeiten.

Die beste Art, über ein Problem Bescheid zu wissen, ist, ein Teil des Problems zu sein.

Anand Giridharadas

Während einer Entfaltungsberatung begleite ich meine Klienten und ihre Eltern dabei, sich einen Überblick zu verschaffen. Dabei braucht es manchmal Distanz, um all die verschiedenen Puzzleteile zu erkennen, manchmal hilft Nähe, um ein Detail ansehen. Daraus ergibt sich manchmal dann eine Erklärung weshalb jemand, wie reagiert. Diese Erkenntnis schafft Verständnis und ebnet den Weg zur Lösung.

So komplex die Probleme auch sind, die Lösung anhand des Evopäd®-Modells sind einfach und effizient. Ohne grossen Aufwand und mit gezielten Bewegungsübungen werden dem Gehirn neue Impulse gegeben, die dann zur Lösung des Problems führen.

Abenteuer leben und erleben

Der Weg zur Entfaltung ist ein Abenteuer. Denn er ist nicht in jedem Fall geradlinig und sofort erkennbar. Aber jede Erfahrung löst etwas aus und bestärkt das Kind und auch seine Eltern darin, an sich zu glauben und sich weiter zu entwickeln.

Jetzt ist der Moment, Probleme anzugehen und als Chance zu erkennen! Evopäd® ist eine einmalige Möglichkeit mit nur wenigen Beratungen einen Überblick zu erhalten und nachhaltig eine individuelle Lösung zu erarbeiten. Gleichzeitig ist jede Beratung eine lohnende Investition in eine wertschätzende Eltern-Kind-Beziehung und das erfolgreiche meistern von weiteren kommenden Herausforderungen.

Homeschooling – ein Tagebuch – Tag 43

Eine Familie bestehend aus Vater, Mutter und 3 Kindern wird durch die Schulschliessung, eine Massnahme der Schweizer Regierung aufgrund der Corona Pandemie, mit Homeschooling konfrontiert.

Freitag, 24. April 2020

Lernbegleitung vs Eltern-Kindbeziehung

Eine Woche wäre geschafft. Vor uns steht ein unbelastetes Wochenende an dem wir nichts vor haben, als einfach Daheim zu bleiben. Wer uns kennt weiss, dass dies vor einigen Wochen nur ganz selten der Fall war. Als unternehmungslustige Familie ist bei uns immer etwas los und wir sind viel unterwegs. Erstaunlicherweise ist das so gar kein Bedürfnis mehr und bereits 6 Wochen haben bewirkt, dass bei uns allen nicht einmal der Gedanken kommt, wir könnten irgendwohin fahren. Meine Reisen finden dann statt, wenn ich mich gedanklich auf die Zeitungslektüre einlassen kann. Einen ruhige Minute dafür zu finden, ist schon unglaublich beschwerlich und ist vergleichbar mit einem steinigen Weg, der vorab zu absolvieren ist. Alltägliche Dinge benötigen viel Energie. Ruhige Minuten sind kostbar und selten. Ausser in einem Fall –

nämlich wenn für die Schule gearbeitet werden muss. Heute Morgen war es für lange Zeit sehr ruhig. Sehr ruhig. Irgendeinmal kam mir der Gedanke: die Kinder flüchten! Es gibt dafür auch einen Grund. In der Nähe der Mutter zu sein, bedeutet an einem Heimschultag immer mit der Frage “Woran arbeitest du gerade?” konfrontiert zu werden. Nicht gerade eine gute Entwicklung. Ich deute es so, dass die Eigenmotivation für die Schulaufgaben fehlt. Mit meiner Person hat es nichts zu tun, denn sobald die Lernzeit vorbei ist und am Nachmittag jeder seinen Tätigkeiten nachgehen könnte und auch ein stückweit sollte, bin ich so gefragt, dass mir kaum mehr Raum für mich selber bleibt. Die Kinder benötigen demnach offensichtlich Nähe von mir, flüchten aber in die Distanz wenn sie erwarten, dass ich sie mit den Lernanforderungen konfrontiere. Diese Situation schreit danach, dass wir nächste Woche an einer Lösung tüfteln. Ich vermute aber bereits, dass sich evolutionspädagogisch auf der Stufe der Gefühlssicherheit eine Lösung findet.

Jetzt geniessen wir aber fürs erste mal das Wochenende und ich wünsche uns eine entspannte, unbeschwerte Familienzeit.

Wenn ein Kind die Neugier entdeckt

Homeschooling – meine Gedanken dazu – Tag 33

Eine Familie bestehend aus Vater, Mutter und 3 Kindern wird durch die Schulschliessung, eine Massnahme der Schweizer Regierung aufgrund der Corona Pandemie, mit Homeschooling konfrontiert.

Dienstag, 14. April 2020

Es gibt in der Schweiz Familien, die ihre Kinder auch in Zeiten ohne Corona zu Hause unterrichten. Sie haben das aus vielfältigen Gründen entschieden. Es fasziniert mich, aber darüber möchte ich heute nicht schreiben. Ich finde es vielmehr interessant, dass sich von diesen Familien manche zu Wort gemeldet haben und drauf bestehen, dass der derzeitige Unterricht, den die meisten Kinder derzeit gezwungenermassen erhalten “Fernunterricht” und nicht “Homeschooling” (Hausbeschulung) genannt werden soll. Mein erster Gedanke dazu war, was erlauben die sich? Wieso sollte “unser” Unterricht nicht Homeschooling genannt werden dürfen? Wir geben ja schliesslich unser Bestes unter erschwerten Umständen!

Ich las dann folgende Argumente zu Homeschooling vs Fernunterricht:

Passiert nicht in Isolation

Ist nicht ausschliesslich online

Beinhaltet Aktivitäten der echten Welt und soziale Ereignisse (Musikunterricht, Sport im Verein, Chor, Kooperationen, usw.)

Basiert auf den Interessen des Kindes und der Eltern

Passiert im eigenen Lerntempo des Kindes

Zusätzlich bin ich auf diesen Satz gestossen:

Bitte gründe deine Meinung über Homeschooling nicht auf “Quarantäne Schooling”. Es ist nicht das Selbe.

Da ging mir ein Licht auf. Mit etwas Distanz ist es nämlich vollkommen logisch, dass man sich die Erfahrung von Leuten, die etwas schon länger tun, zu nutzen macht. Diese Chance möchte ich unbedingt nutzen! Denn natürlich wird unser “Qarantäne Schooling” (welches auch Homeschooler während Corona ein Stück weit führen müssen), nie “richtiges” Homeschooling werden. Aber es wird auch kein reiner “Fernunterricht” bleiben dürfen, wenn er unseren Kindern etwas bringen soll.

Schlussendlich denke ich, dass wir und unsere Kinder unter den aktuellen Umständen erst etwas lernen werden, wenn wir uns von der Vorstellung des “einfach Daheim” weitergeführten Unterrichts lösen. Es kann keine Lösung sein etwas, was im Schulhaus funktioniert, einfach auf zu Hause umzumünzen. Kreativität, Mut und Vertrauen sind jetzt besonders gefragt, denn es benötigt individuelle Lösungen. Die Grundlage dazu sind tragfähige Beziehungen in alle Richtungen, zwischen Schulleiter*innen, Lehrer*innen, Eltern und Schüler*innen.

Was sind also meine persönlichen Ziele für die kommende Schulzeit:

  • Ich bin mit meinen Kindern und ihren Lehrer*innen in einem positiven und wertschätzenden Dialog
  • Ich unterstütze jedes Kind dabei, sein eigenes Zeitfenster für den Lernerfolg zu finden
  • Ich ermutige und unterstütze, aber überlasse die Verantwortung dem Kind
  • Es ist eine Ausnahmesituation und wir geben alle unser Bestes. Unser Leben hängt nicht von der schulischen Leistung während dieser Zeit ab. (Was es ja auch sonst nicht tut).
  • Die Welt wird danach nie wieder dieselbe sein. Wir und unsere Erfahrungen werden sich mit ihr gewandelt haben. Das alles passiert jetzt und gehört zu den Lernerfahrungen dazu. Es ist genauso wichtig, wie der restliche Schulstoff, braucht entsprechende Ressourcen und Wertschätzung.
Eine schöne Ferienerinnerung – Tauben füttern im Tessin

Homeschooling – ein Tagebuch – Tag 32

Eine Familie bestehend aus Vater, Mutter und 3 Kindern wird durch die Schulschliessung, eine Massnahme der Schweizer Regierung aufgrund der Corona Pandemie, mit Homeschooling konfrontiert.

Ostermontag, 13. April 2020

Grundvoraussetzung für die Lösung eines Problems ist, zuzugeben, dass man keine Lösung hat.

Satz 118 aus “260 starke Sätze aus der Evolutionspädagogik – Ein Appell an die Gesellschaft” von Ludwig Kroneberg und Silke Gramer-Rottler

Homeschooling – ein Tagebuch – Tag 27

Eine Familie bestehend aus Vater, Mutter und 3 Kindern wird durch die Schulschliessung, eine Massnahme der Schweizer Regierung aufgrund der Corona Pandemie, mit Homeschooling konfrontiert.

Mittwoch, 8. April 2020

Wir hatten heute Besuch. Mit dem nötigen Sicherheitsabstand, draußen an der frischen Luft. Mehrmals musste ich mich zusammennehmen, um nicht zu knuddeln, zu herzen oder zumindest die Hand zu geben. Verrückt. Es war wohl meine Begeisterung darüber, wieder einmal einen direkten zwischenmenschlichen Kontakt zu haben. Ich bin mir fast sicher, dass ich nach dieser Coronazeit wahllos Menschen umarmen werde. Ich, die sonst eher lieber nie die Hand gibt und gewettet hätte, dass mir sowas wie “Physical distancing”, keine Mühe macht. (“Social distancing” wäre da viel schlimmer für mich, aber das löse ich wie alle anderen mit Handy und Co. recht befriedigend). Da habe ich wieder etwas neues über mich gelernt.

Die Kinder waren heute sehr fürsorglich. Nach meinem Hänger gestern, war die Stimmung heute viel positiver. Besonders dank ihnen. Es rührt mich zu sehen, wie sie sich individuell in unsere Gemeinschaft einbringen und sich Gedanken machen, was sie helfen können. Einmal mehr bin ich froh, dass ich diese Situation mit dieser, meiner Familie durchleben darf.

Eines ist klar, es braucht eine gute Kommunikation. Auch zwischen uns Erwachsenen. Während mein Mann kaum Luft holen kann, vor lauter Verpflichtungen für Job und Familie, sitze ich hier mit gebundenen Händen. Während wir gestern kurz davor waren deswegen einen Streit vom Zaun zu brechen, konnten wir es dann auf dem letzten Zacken in einem positiven Gespräch klären. Denn seine Situation ist wie sie ist. Er darf darüber klagen und sagen, wenn von uns zu viele Forderungen kommen. Gleichzeitig ist meine Situation wie sie ist. Ich habe aber genauso das Recht darüber zu klagen, Forderungen und Wünsche zu stellen. Wir lassen uns gegenseitig reden, hören wertfrei zu und dann gilt es miteinander eine Lösung zu finden die für beide stimmt. Das klappt gut, denn wenn keiner von beiden das Gefühl hat seinen Standpunkt verteidigen zu müssen, dann ist der Kopf frei für neues. Schon wieder etwas gelernt.

Mein gestriges Ungleichgewicht hat sich zum Gleichgewicht gewandelt. Ich staune, bin froh und dankbar.

Säugetiere im Gleichgewicht

Krisenintervention am frühen Morgen

Weinkrämpfe aus Angst vor dem Referat (etwas Werbung aus meinem Leben).


Es ist dringend! Das Kind weint und muss bald los in die Schule. Keine Zeit für grosse Gespräche. Also schauen wir einfach, dass die Hirnhälften optimal zusammenarbeiten. Ich lasse das Kind Schlaufen und eine liegende Acht malen und eine Runde Hopserhüpfen. Eine Umarmung und ein Motivationsspruch «Sometimes you win, sometimes you learn» gab es noch dazu.
Für Familienmitglieder gibt es dann im Anschluss noch eine Umarmung obendrauf. Im Gepäck dann noch ein Notfallzettel mit einem X für einen Blick vor dem Referat und auf der anderen Seite ein Herz für danach.
Dies ein kleiner Einblick in meine Tätigkeit als Evolutionspädagogin®. Was für mich nach einer Beratung immer bleibt – die Neugier wie es gelaufen ist und was der Mensch daraus mitnimmt.
Neugierig? Gerne erarbeite ich mit dir eine eigene individuelle Krisenintervention.

Liegende Acht und Schleifen – eine bewährte Notfallintervention aus der Evopäd®

Hausaufgaben – 10 Tipps aus unserem Alltag

«Hast du deine Hausaufgaben erledigt?» diese Frage fällt in jedem Haushalt mit Schulkindern. Die Reaktion der Kinder ist so verschieden, wie die Kinder sind. Die einen sind gewissenhaft, erledigen diese von sich aus gleich nach dem Essen. Geniesst das, wenn das so ist! Andere wiederum kommen nach Hause und denken keinen Moment mehr an die Schule. Wunderbar, diese Kinder sind im Hier und Jetzt. Auch die Eltern haben ihre Vorstellungen. Manche möchten genau wissen, was zu tun ist und schauen gewissenhaft, ob alles erledigt wurde. Dann gibt es auch welche die die Kinder machen lassen und es der Schule überlassen zu überprüfen, ob alles erledigt wurde. Es gibt keine einheitlichen Lösungen und das ist auch gut so. 

Hier 10 Tipps aus unserem Alltag, die Eltern und Kind helfen einen eigenen Weg zu finden.

  1. Lass das Kind ankommen! Wenn ich nach einem Arbeitstag nach Hause komme, dann brauche ich einen Moment für mich. Vielleicht geht es deinem Kind auch so? Ich selber muss mich als Mutter jeweils bremsen, dann am liebsten würde ich alles über den Schultag erfahren. Jetzt heisst es aber durchatmen und abwarten……
  2. Mir hat es sehr geholfen, mich von meinem eigenen Pflichtgefühl frei zu machen. Meine Schulzeit ist beendet. Jetzt ist mein Kind dran. Was es aus der Schule heim bringt, ist in erster Linie seine Aufgabe. Dazu gehört es auch, dass es seine eigenen Erfahrungen damit macht.
  3. Das heisst nicht, dass ich nicht interessiert sein darf. Wenn das Kind von sicher aus erzählt, habe ich die Gelegenheit mir ein Bild zu machen. Ist das Kind gelassen und hat einen Plan oder ist es eher unsicher und unmotiviert? Ich höre wertfrei zu. Schwierig? Ja, aber probiere es, es zahlt sich aus.
  4. Jetzt ist ein guter Zeitpunkt das Kind zu fragen, wann es die Hausaufgaben erledigt. Je nach Alter kann das Kind dies noch nicht abschätzen. Dann hilft ein Angebot von zwei möglichen Zeiträumen z.B. vor dem Gitarrenunterricht oder wenn der Papi heimkommt.
  5. Lass das Kind den Arbeitsort wählen. Ich weiss, die Vorstellung das Kind arbeitet in seinem Zimmer am Pult ist in den Köpfen fest verankert. Allerdings ist das wohl in Zeiten von digitalen Nomaden sowieso altertümlich. Wieso die Aufgaben nicht mit zum Grosi nehmen oder auf dem Boden erledigen? Unter dem Tisch oder im Gartenhaus? Meine Kinder haben lange den Küchentisch bevorzugt. Sie brauchten viel Sicherheit und ich war immer in der Nähe, wenn sie Hilfe brauchten.
  6. Wenn das Kind dich gerne in der Nähe hat, dann braucht es diese Sicherheit. Ich achte dann drauf, dass ich auch etwas zu tun habe. Die Verantwortung soll beim Kind bleiben. Natürlich helfe ich, wenn das Kind danach fragt, aber nur so viel wie nötig.
  7. Die Luft ist draussen? Gehirnsportler brauchen viel Flüssigkeit. Ermuntere das Kind zu trinken. Ab und an gibt es bei uns ein «Energiewässerli» (etwas Puderzucker im Wasser verrührt).
  8. Unbedingt an Bewegungspausen denken. Eine Runde auf dem Trampolin oder der Slackline geben einen neuen Energieschub. Das Gehirn braucht Bewegung um leistungsfähig zu sein. Reihen üben oder Gedicht auswendig lernen machen wir auch auf dem Balancierbrett oder beim Ball werfen! 
  9. Streicht das Wort müssen aus dem Wortschatz. «Ich mache meine Hausaufgaben», tönt so viel motivierender als «Ich muss noch meine Husi machen».
  10. Bleib gelassen. Hausaufgaben sind ein Teil des Schulalltags. Nicht mehr oder weniger. Keine Laufbahn hängt davon ab. Viel wichtiger ist es eine positive und wertfreie Grundhaltung zu behalten. Dies hilft dem Kind mehr für seine Zukunft.

Ich hoffe, du kannst einige meiner 10 Ideen in euerm Hausaufgaben-Alltag einsetzen. Vielleicht ist dein ultimativer Tipp nicht dabei? Vielleicht magst du ihn mit mir teilen?

Die Hausaufgabensituation ist sehr verfahren? Dein Kind steht immer wieder vor gleichen Problemen? In einer Evopäd.-Lernberatung erarbeiten wir eine individuelle Lösung für dein Kind. Melde dich noch heute bei mir.