Immer Sonntags…ein Gedankenspiel aus der Evopäd®

Ob wir etwas als positiv oder negativ, als interessante Herausforderung oder als unüberwindbares Hindernis bewerten, hängt von unseren Vorerfahrungen ab. Schon der griechische Philosoph Epiktet sagte: “Nicht die Dinge selbst beunruhigen uns, sondern unser Meinungen über diese Dinge.” Ob ich also beispielsweise Blitz und Donner während eines Gewitters als gefährlich und bedrohlich oder stattdessen als spannend und aufregend empfinde, hängt davon ab, welche Erfahrungen ich in der Vergangenheit mit Gewittern gemacht habe.

Auch wie ein Kind etwa eine schulische Aufgabenstellung bewertet, ist von seinen Vorerfahrungen abhängig. In der Pädagogik müssen wir daher alles daran setzen, dass Schüler*innen positive Erfahrungen vermittelt werden. Dies erfordert, dass Aufgabenstellungen und Anforderungen so an die Kinder herangetragen werden, dass sie beherrschbar sind.

Auszug aus dem Buch “Das bewegte Gehirn – 7 Körperübungen für clevere Kinder” von Ludwig Kroneberg und Silke Gramer-Rottler

Immer Sonntags…ein Gedankenspiel aus der Evopäd®

Wenn wir selbst nicht in der Lage sind, mit einer Herausforderung fertig zu werden, das innere Gleichgewicht wieder herzustellen, brauchen wir einen äusseren Reiz, das Gefühl, in eine bedeutende Handlung eingebunden zu sein, wir brauchen jemanden, der an uns glaubt und uns Hoffnung gibt. Dadurch wird das Gehirn angeregt, sich selbst wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Satz 191 aus “260 starke Sätze aus der Evolutionspädagogik – Ein Appell an die Gesellschaft” von Ludwig Kroneberg und Silke Gramer-Rottler

Homeschooling – ein Tagebuch – Tag 47

Eine Familie bestehend aus Vater, Mutter und 3 Kindern wird durch die Schulschliessung, eine Massnahme der Schweizer Regierung aufgrund der Corona Pandemie, mit Homeschooling konfrontiert.

Dienstag, 28. April 2020

Pro Konsensfindung

Eine Demokratie in der nicht gestritten wird, ist keine.

Helmut Schmidt

Als ich heute Morgen das Radio einschaltete und die Nachrichten hörte, liess mich folgender Beitrag aufhorchen. Wie darin berichtet wird haben die diesjährigen Maturant*innen eine Petition lanciert, bei welcher sie fordern, dass in diesem Jahr keine Maturitätsprüfungen stattfinden sollen (die Petition ist unter change.org online zu finden). Zu gross sei die Angst vor Ansteckung, die ungleichen Bedingungen in der Prüfungsvorbereitung in den letzten Wochen und die hohe Belastung in der Krise. Dagegen hält der Präsident des Schweizerischen Arbeitsgeberverbands, Valtentin Vögli, dass es von den zukünftigen Akademiker*innen etwas anderes erwartet, als dass sie, “den Weg des geringsten Widerstandes gehen”.

Ich möchte hier gar nicht auf diese beiden Positionen eingehen. Wobei sich bei mir schon die Frage stellt, weshalb Lehrabschlussprüfungen dieses Jahr nicht schriftlich, sondern nur praktisch erfolgen und bei der Maturität dagegen Prüfungen mit Anwesenheitspflicht stattfinden sollen.

Vielmehr finde ich es sehr passend, dass mir diese Diskussion eine wunderbare Möglichkeit gibt, einen Bogen zu meinem Beitrag von Gestern zu spannen. Ich schrieb darin von meiner Hoffnung, dass sich das Schulsystem für neue Perspektiven offen zeigt. Diese entstehen vollkommen natürlich, sozusagen evolutiv, nach jeder herausfordernden Lebenssituation, denn die Gegebenheiten danach sind nicht mehr die selben wie zuvor. Es wäre schade, wenn man daraus keine Wachstumsmöglichkeiten (neue Erfahrungen auswerten und Bewährtes weiterhin umsetzen) ergreifen würde.

Ist es denn nun eine Lösung, den verunsicherten (und natürlich auch Chancen auslotenden, wir waren schliesslich alle mal jung) Maturant*innen vorzuwerfen, sie nehmen ihre Verpflichtung nicht war, für die Wirtschaft ein (erstes) Opfer zu erbringen? Wo kommt man den hin, wenn zukünftige Akademiker*innen bereits vor der Reifeprüfung eigene Gedanken und Meinungen haben. Wer in irgendeiner Art Erziehungserfahrung sammeln konnte, hat bestimmt erlebt, dass Drohgebärden, Erpressen und Druck nur unschöne Situationen erzeugen und in keinem Fall eine zufriedenstellende Lösung für alle Beteiligten. Die bewährte direkte Demokratie der Schweiz wäre eine gute Leitlinie, wie eine Konsensfindung funktioniert. Wobei diese im Fall der Maturant*innen, auch die Frage aufwirft, welche Möglichkeiten die Jugend in unserem politischen System derzeit überhaupt haben. Wie dem auch sei, anstatt eine Einigung auf Augenhöhe zu verhandeln, wird mit Druck und Drohgebärde gearbeitet. Schade, denn genau so geht die Möglichkeit verloren, gemeinsam eine der Situation angemessene und nachhaltige Lösung zu generieren und gleichzeitig den Grundstein für eine verantwortungsvolle nachkommende Generation zu legen. Bei der im übrigen auch die Wirtschaft profitieren könnte.

Kann friss oder stirb eine Lösung sein?

Homeschooling – ein Tagebuch – Tag 40

Eine Familie bestehend aus Vater, Mutter und 3 Kindern wird durch die Schulschliessung, eine Massnahme der Schweizer Regierung aufgrund der Corona Pandemie, mit Homeschooling konfrontiert.

Dienstag, 21. April 2020

Noch gegensätzlicher konnte der heutige Tag zum gestrigen gar nicht sein. Um 10.00 Uhr hatte mir jedes der Kinder, unabhängig von seinen Geschwister versichert, wie viel einfacher es doch heute im Vergleich zu gestern sei. Mein Mann erkundigte sich im Verlauf der zweiten Morgenhälfte per Whatsapp bei mir, wie es denn mit dem Homeschooling so klappe und ich konnte (selber verblüfft) schreiben, dass wirklich alles wie am Schnürchen lief. Als hätte der erste Schultag als reinigendes Gewitter über uns hinweg ziehen müssen, um dann den zweiten im neuen Licht erstrahlen zu lassen.

Kuchenglück

Ich schaffte es im Verlauf des Vormittags sogar einen Bananen-Kuchen zu backen. Die einzige Herausforderung daran war, mit den Geräuschen der Küchenmaschine nicht die Zoom-Konferenz des Sohns stören. Das konnte mit Kopfhörern wunderbar gelöst werden. Sowieso finde ich diese Zoom-Klassenzusammenkünfte eine tolle Sache. Nicht nur weil die Kinder diese so mögen sondern auch, weil es mir etwas Luft verschafft. Während ein Kind vom Lehrer virtuell unterrichtet wird, kann ich mich währenddessen gezielter den anderen beiden widmen. Besonders unsere beiden jüngsten benötigen viel Aufmerksamkeit. Sie benötigen auch im regulären Unterricht zusätzliche Förderung und angepassten Unterrichtsstoff. So ist es für mich eine Gratwanderung, wo ich nun unterstützen und wo ich fordern soll. Ungemein motivierend erlebe ich die Zusammenarbeit mit allen Lehrer*innen. Seien es Klassenlehrer*innen, Musiklehrer*innen, Religionslehrer*innen, sie alle melden sich über diverse Kanäle und haben sich überlegt wie der Schulstoff vermittelt werden kann und soll. Wenn es irgendwo hackt, stehen sie mit Rat und Tat zur Seite. Die meisten von ihnen beschulen oder betreuen nebenbei ihre eigenen Kinder. Wir sitzen im selben Boot. Das gibt gegenseitiges Verständnis und motiviert ungemein, es gemeinsam zu schaffen. Unmögliches wird derzeit möglich gemacht. Krisen sind der Nährboden für neue Perspektiven und kreative Lösungen. Wir stehen nach 6 Wochen bereits an einem Punkt, den keine/r für möglich gehalten hat. Das Schulsystem verändert sich und alle, Lehrer*innen, Schüler*innen, Eltern, sind zwangsläufig beteiligt. Es wird kein “wie vorher” mehr geben, denn alle sind schlussendlich im “danach”. Wenn wir uns später an diese Zeit erinnern, werden wir uns fragen, wie wir das bloss geschafft haben.

Mein Mann absolviert derzeit eine höhere Fachhochschule und diese hat es im Gegenzug bis zum heutigen Tag nicht geschafft einen virtuellen Unterricht zu organisieren! Dort werden (Corona-lose) Zeiten abgewartet, die nie mehr kommen werden.

Mit der Evolutionspädagogik© im Fluss