Von der Kunst glücklich loszulassen oder das Ende eines Spielgruppenjahres

Das Schuljahr neigt sich dem Ende zu. Manche üben sich im Durchhalten, andere motivieren sich mit dem Ausblick der langen unbeschwerten Sommerferien. So oder so, der Abschied naht, sei es für die Kinder, die Eltern oder die Lehrer*innen. In dieser Phase geprägt vom Rückblick und vom Vorausschauen, stellt sich die Frage, was haben wir erreicht? Was hat sich getan? Sind wir gewachsen? Haben wir uns verändert?

Manchmal hilft da ein Zeugnis, ein Feedback des Chefs/der Chefin oder ein sonstiger Leistungsnachweis. Viel befriedigender ist es jedoch, wenn es da einen Moment gibt, bei dem ich spüren kann, genau so soll es sein. Dieser Moment und sei er nur ein Augenblick, hat das Potential, mir zu sagen, du hast etwas erreicht, es war dir wichtig, du hast alles gegeben und es ist genau so wie es sein sollte. Dies zu erkennen und zu erfahren ist ein grosses Glück und der nachhaltigste Lohn für eine erbrachte Leistung.

Als wir heute in der Spielgruppe noch etwas Zeit auf dem Spielplatz verbrachten, setzte ich mich in den Schatten des Baumes. Die Kinder waren alle beim gemeinsamen Spiel gefesselt. Es wurde ein Schatz gesucht, Blumen gesammelt, hin und her gerannt, versteckt und gefunden. Wenn eines nicht einverstanden war, wurde verhandelt, wenn eine Idee fehlte wurde überlegt und ausprobiert, es wurde befohlen und befolgt. Ich fühlte mich überflüssig, ja sogar faul und nutzlos. Ein überwältigendes Gefühl. Während mir der Impuls sagte, “Geh hin und bring dich ins Spiel”, sagte mir der Verstand “Bleib sitzen und halte dich zurück”.

Ein Jahr lang habe ich die Kinder begleitet. Sie kamen scheu und neugierig. Ich gab ihnen den Raum und die Möglichkeiten sich und andere Kinder zu entdecken. Ganz alleine, ohne Geschwister und Eltern. Für manche das erste Mal. Jedes hat nach und nach für sich entdeckt, wie es sich in der Gruppe behaupten kann. Es konnte erfahren, welche Bedürfnisse es selber oder auch die anderen Kinder haben. Es hat gelernt die eigenen zu vertreten und die der anderen zu respektieren. Wenn immer nötig stand ich bereit, allerdings nie ohne den Leitgedanken “Hilf es mir selbst zu tun” aus den Augen zu verlieren. Manchmal hat es gereicht, das Kind zu ermuntern es noch einmal selbst zu versuchen, manchmal musste ich eine andere Tätigkeit vortäuschen oder einem anderen Kind helfen, um das Kind dazu zu bringen, es selbst zu probieren. Während die ersten Spielgruppenstunden geprägt waren, dass ich an allen Ecken und Enden gefordert und gebraucht wurde, bin ich nun zum Ende des Jahres recht überflüssig geworden. Es ist nicht so, dass alle alles können, aber eine/r in der Gruppe kann es bestimmt und so landen nur noch wenige Fragen und Anliegen bei mir. Was für ein unglaubliches Gefühl muss das sein, wenn man im Alter von 3 – 5 Jahren sich so kompetent ausserhalb seines Daheim zurechtfinden kann! Ich denke, es ist genau das richtige, um nach dem Sommer im Kindergarten oder in einer neuen Gruppe zu starten.

Während ich mich diesen Gedanken hingebe, natürlich nicht ohne immer wieder die Kinder durchzuzählen, steht plötzlich ein Mädchen vor mir und hält mir einen kleinen Strauss mit selbst gepflückten Blumen hin. So wie es aussieht, bin ich doch nicht gänzlich vergessen gegangen. Ich bedanke mich und stelle fest: “Oje, jetzt habe ich gar keine Vase mit Wasser dafür.” Da meint der Junge der dazugestossen ist: “Ach, das ist doch kein Problem, geh nach Hause und stell sie dort ein. Wir brauchen dich hier nicht. Wir kommen schon klar.”

Hier ist er: MEIN Moment und ich kann glücklich loslassen.

Ein blumiges Dankeschön

Ich wünsche allen Eltern, Lehrer*innen, Spielgruppenleiter*innen und Kindern zum Schuljahresende einen guten Blick, um den persönlichen Moment des Erfolgs zu erkennen, um dann glücklich loszulassen und weiterzugehen.

Meeting Evopäd® – Urmensch

Mittels kurzen Blogartikeln stelle ich euch in regelmässigen Abständen, Beispiele aus meinem Arbeitsalltag mit der Evolutionspädagogik vor. Diese Einblicke sollen aufzeigen, welche Sicht die Evopäd® auf Verhaltensweisen hat und wie eine Lösung aussehen könnte.

M. 14-jährig fühlt sich in der Pfadigruppe als Gruppenschef und übernimmt in Konfliktsituationen o.ä das Wort und argumentiert verbal stark. Wenn von seinen Teamkameraden Widerstand kommt, kann er auch mal körperlich seine Position einnehmen.

Das Verhalten von M. lässt sich der sechsten Stufe des Evopäd©-Modells zuordnen, dem Urmenschen.

Beim Urmensch stehen Bewegung, Körpergleichgewicht und Sprache in engem Zusammenhang. Es entsteht Freude an der Auseinandersetzung mit Anderen. Es ist ein erhebendes Gefühl, sich über seine Stimme laufend besser zu verständigen. Vieles in Frage stellen, Antworten suchen, sich in Position bringen und Einfluss auf das Geschehen nehmen. Wenn Sprache nicht als Ausdrucksmittel zur Verfügung steht, wird Körperkraft und Körpersprache als Kommunikationsmittel benutzt. Ist die Sprachsicherheit blockiert oder wenig ausgereift, zeigt sich das durch Neigung zu Kraftausdrücken, Körpereinsatz satt Verwendung von Sprache in Auseinandersetzungen oder “machohaftes” Verhalten. Laut sein, heisst nach seiner Position suchen.

Mit seinen 14 Jahren befindet sich M. in der Pubertät. Er sucht sich seinen Platz in der Gesellschaft. Die Pfadi ist dazu ein gutes Übungsfeld. Die Natur bietet Raum für Bewegung, ausüben des Körpergleichgewichts und gleichzeitig ein Umfeld mit Gleichaltrigen. M. sucht in seiner Rolle als Gruppenchef aktiv die Möglichkeit über die Stimme, Sprache seine Position zu sichern und einzunehmen. Dabei wird es auch mal laut. Es gelingt jedoch nicht immer so wie er es möchte und so kann es sein, dass M. dabei körperlich wird.

Um M. den Zugang zu neuen Verhaltensweisen im Urmensch zu ermöglichen und ihn dabei zu unterstützen, situativ angemessen zu reagieren, arbeiten wir in der Beratung mit Naturgeräuschen, dem Labyrinth, mit eigenen oder vorgegebenen Rythmen (Stimme, Trommeln, Rasseln) und Körperhaltungen. Sprachlich trainiere ich mit M. gezielt mit den Worten: “Geh geduckt….. und jetzt richte dich ganz auf.”

Abenteuer Schulstart

Kennst du die Wehmut, wenn etwas endet und die Vorfreude, wenn etwas Neues bevor steht? Wie sieht es nach den Sommerferien aus?

Wochenlang herrschte das Abenteuer; wenn es heiss war, kühlte das Wasser im Freibad oder in Fluss, wenn es regnete vertrieben Spiele oder lange Filme die Zeit. Es war einfach sich trieben zu lassen, sich in neuen Fertigkeiten zu versuchen und sich ganz dem Familien-Rhythmus zu ergeben. Am Abend wurde es spät und am Morgen ebenfalls. All das war kein Problem, im Gegenteil, es war ein Genuss gemischt mit dem Gefühl von Freiheit und Ungebundenheit.

Das ändert morgen.

Mit dem Start des neuen Schuljahres werden die Tagesstrukturen wieder enger, regelmässiger und von aussen bestimmt. Es gibt geregelte Unterrichtsstunden, Terminpläne, Hausaufgaben und weitere Verpflichtungen. Der Radius wird wieder kleiner und übersichtlicher. Individuelle Kräfte einzuteilen und eigene Interessen voranzutreiben fällt schwerer.

Einmal im Jahr, machen Schüler*innen, Lehrer*innen und Eltern die Erfahrung, wie gegensätzlich das Leben sein kann. Der Übergang von den langen Sommerferien in den Schulstart ist so gegensätzlich, wie sonst kaum zu einem anderen Zeitpunkt im Jahr.

Ich wünsche allen Schüler*innen, Lehrer*innen und Eltern viel Offenheit für die Abenteuer im (Schul-)Alltag, Kraft und Vertrauen für schwierige Momente. Mögen für alle daraus genussvolle und Neugier weckende Lernerfahrungen entstehen.

Es wäre viel zu schade, nur für die Ferien zu leben und die Zeit dazwischen nicht zu nutzen. Das Leben ist viel mehr als das. Jede Minute ist kostbar. Möge deshalb im Schulalltag auch immer etwas Freiheit mitschwingen und während den Ferien etwas Wissensdurst.

Wo auch immer du hingehst, dort bist Du

Konfuzius

Homeschooling – ein Tagebuch – Tag 48 Nr.2

Dieser Post musste heute noch erfolgen, weil ich mir damit etwas von der Seele schreibe, was mich schon seit letzter Woche umtreibt.

Mittwoch, 29. April 2020

Wieso es mich stört, dass Grosseltern ihre Grosskinder umarmen dürfen

Nein, natürlich stört mich nicht die Handlung an und für sich. Denn unbestritten ist es etwas wunderbares und erlösendes, wenn körperliche Nähe zwischen Erwachsenen und jüngeren Kindern kein gesundheitliches Risiko bedeutet. Damit kehrt unbestritten etwas Normalität in unseren Alltag zurück.

Viel mehr stört mich, wie dies kommuniziert wird und was damit implementiert wird. Wieso dürfen die (unter 10-jährigen) Grosskindern “von ihren Grosseltern umarmt werden” und “nicht Grosseltern und Enkel*innen dürfen sich umarmen”? Wieso wird von der Umarmungen nur von Seite der Grosseltern gesprochen und nicht einer gegenseitigen? Und wäre es nicht sinnvoller etwas anderes in den Vordergrund zu stellen? Ein gegenseitiges Gespräch? Ein gemeinsames Sirup trinken? Ein Bilderbuch erzählen? Etwas zusammen basteln? Was bedeutet es für die Kinder, wenn sie eine Umarmung bekommen, aber keine sonstige Nähe und Aufmerksamkeit? Denn das Betreuen der Enkel*innen, eine ist nämlich noch immer nicht erlaubt. Wieso nicht? Wieso stellt dies Niemand in Frage? Weshalb wird allen zugetraut, im Zuge der Öffnung Verantwortung für die Gesundheit aller zu tragen und Eltern können dies bei der Abgabe ihrer Kinder bei den Grosseltern nicht? Wo ist da der Sinn dahinter? Ich bin absolut keine Verschwörungstheoretikerin, aber man könnte hier einiges hinein interpretieren.

Ist es einfach eine Umarmung, die die Enkel*innen zu leisten haben, um dann wieder in die Krisenbelanglosigkeit abzutauchen?

Was meint ihr? Bewegt sich hier mein zugegeben penibles Gehör für Sprache und Kommunikation auf Abwegen?

Meine Gedanken gehen manchmal mysteriöse Wege

Homeschooling – ein Tagebuch – Tag 34

Eine Familie bestehend aus Vater, Mutter und 3 Kindern wird durch die Schulschliessung, eine Massnahme der Schweizer Regierung aufgrund der Corona Pandemie, mit Homeschooling konfrontiert.

Mittwoch, 15. April 2020

Wir sind nach Ostern direkt in die Frühlingsferien übergegangen. Die Tagesstruktur hat sich etwas gelockert und alle gehen ihren Interessen nach. Es fühlt sich gut an. Das Wetter ist gut und unser Garten verlangt nach viel Aufmerksamkeit. Wir hatten im Januar beschlossen, dass wir dieses Jahr im Sommer nicht wegfahren und die Zeit dafür in den Garten investieren. Die Kinder sind bereits seit letztem Jahr (oder sogar dem vorletzten) dem Trampolin, dem Sandkasten und dem Spielhaus entwachsen. Ursprünglich war ein Biotop geplant, aber diese Pläne haben wir, als Corona unser Leben auf den Kopf gestellt hat, auch über den Haufen geworfen. Es werden nun zwei Hochbeete, einen neuen Zaun, ein umstrukturierter Brätelplatz und ein neuer, mit einer Laube überdachter Sitzplatz. Mir fehlt sonst im Alltag die Zeit und Kraft, um oft im Garten tätig zu sein. Nun kommt es mir sehr gelegen. Die körperliche Betätigung und die frische Luft tun gut. Am Abend ist immer etwas Neues entstanden und das ergibt dann eine wohlige Zufriedenheit. Ich glaube, den Kindern tut es auch gut, mich Draussen beschäftigt zu sehen und derweil meinen Argusaugen im Haus entgehen zu können.

Ab und an ertappe ich mich beim Gedanken, dass es noch ein Weilchen so bleiben könnte. Aber ab nächster Woche beginnt wieder der Unterricht und wird wieder unseren Alltag bestimmen.

Homeschooling – ein Tagebuch – Tag 26

Eine Familie bestehend aus Vater, Mutter und 3 Kindern wird durch die Schulschliessung, eine Massnahme der Schweizer Regierung aufgrund der Corona Pandemie, mit Homeschooling konfrontiert.

Dienstag, 7. April 2020

Wir bewegen uns alle ausserhalb der “Comfort zone”, deshalb wird grad viel Neues gesäht, das wachsen wird oder schon wächst.

So wie Igor Levit jeden Tag um 19.00 Uhr auf Twitter/Instagram live einfach auf seinem Klavier los spielt, so schreibe ich jeden Tag einfach darauf los. Blog schreiben war schon lange etwas was ich machen wollte, aber es fehlte dann immer die Zeit oder ich machte mir ewig lange Gedanken, was ich denn gescheites schreiben könnte. Wenn ich es dann mal geschrieben hatte, dann las ich es x-mal durch und war dann doch nicht zufrieden, um es online zu stellen. Das ist nun anders. Seit 26 Tagen schreiben ich jeden Tag etwas. Meist in den einzigen ruhigen Minuten des Tages, manchmal auch ohne Ruhe. Eigentlich immer bin ich müde und häufig habe ich keine Ahnung was ich schreiben werde. Wenn ich dann mal einen Plan habe, dann wird dieser während dem Schreiben ziemlich sicher über den Haufen geworfen. Eines weiss ich aber auf sicher, es wird nur schwieriger wieder rein zu kommen, wenn ich einen Tag auslasse.

Heute war die Versuchung gross, hier einfach “Migräne” rein zu schreiben und mich wieder raus zu schleichen. Zudem war die Stimmung bei uns im Hause zum ersten Mal am kippen. Wir sind uns nicht mehr genug. Es fehlen Aussenreize und Gleichgesinnte, nicht nur Kernfamilienangehörige. Ich bin wie jedes Jahr frühlingsmüde und es fehlt die Kraft ausgleichend tätig zu sein. Wenn dies aber unser persönlicher Tiefpunkt in der gesamten Coronazeit wäre, dann würde ich diesen sofort als solchen annehmen. Denn geht uns dennoch gut! Wir können anderen Freude bereiten (es hat noch nie so viel Spass gemacht Osterhase zu spielen), uns gegenseitig aufmuntern und verpassen tun wir in der Welt da draussen auch nichts. Kein FoMO (Fear of missing out). Es wird aber deutlich, dass die “spannende” Anfangszeit nun vorbei ist. Wir befinden uns nun im (nicht selbst gewählten) Alltag.

Alltag bedeutet Routine. Routinen und Automatismen, ermöglichen uns körperlich und geistig Energie zu sparen, um sie dann anderweitig einzusetzen zu können. Die Kinder sind mir, dank ihrer altersbedingten Anpassungsfähigkeit, voraus. Sie haben bereits neue Energie, die sie einsetzen wollen. Seien wir also gespannt, wie es weitergeht.

Kleine Liebesbekundung im Alltag

Homeschooling – ein Tagebuch – Tag 22

Freitag, 3. April 2020

Heute stelle ich hier ein Instagram-Post ein, welches ich vergangenes Jahr, nach dem Besuch eines Chorkonzerts des Vokalensembles “Stimmbad 11” mit dem Namen “Totentanz & Himmelslust”, verfasst hatte. Das Konzert hatte mich bewogen mich gedanklich über mein Leben und dem dazugehörigen Tod auseinanderzusetzen. Ich könnte jetzt schreiben, diese Gedanken sind aktueller, gefragter denn je. Was ja überhaupt nicht stimmt, denn das Ende des irdischen Lebens ist bei jedem Menschen naturgemäss von einem Atemzug zu nächsten allgegenwärtig. Es ist nur nicht immer in unserem Bewusstsein (dem bewussten Denken).

Totentanz von Hugo Distler – Wer die Musik hören will, findet sie auf Spotify

Gedanken zum Tod – Manifest für mein Leben


Letzten Sonntag habe ich ein wundervolles Chorkonzert des Vokalenensemble Stimmband 11 mit dem Namen «Totentanz & Himmelslust» besucht. Im Zentrum des Konzerts stand der Totentanz von Hugo Distler.

Die ganze Inszenierung hat mich tief bewegt. Ich lag in der Nacht wach und habe mich auf das Thema Tod eingelassen. Bewusst schreibe ich hier eingelassen, denn nur allzu gern verdränge ich aufkommende Gedanken, die meine Endlichkeit auf dieser Erde anbelangen.

Aber ist es sinnvoll, dem Tod Präsenz im Alltag zu geben? Ich komme zum Schluss, dass es durchaus gesund ist, auszuloten, was mir der Übergang, vom bekannten in einen unbekannten Zustand, bedeutet. Dabei stellt sich nicht die Frage, ob ich es kann, denn wie bei der Geburt, ist das «Programm» in mir angelegt. Es kann nichts schief gehen und es entzieht sich meinem Einfluss, wann der natürliche Zeitpunkt sein wird. Wenn auch der Tod bereits ein unsichtbarer Begleiter durch mein ganzes Leben ist. Bereits nach der Geburt begann der Sterbeprozess, das Ende kommt unwillkürlich näher. Was zunächst nicht fühlbar ist und in jugendlicher Fülle keine Rolle spielt, wird mit dem Alter klarer und deutlicher.

Aber was fange ich nun mit all diesen Erkenntnissen an?

Das tief in mir angelegte Wissen, dass meine Endlichkeit zum Lebewesen – Mensch sein gehört, gibt mir ein Vertrauen in die Prozesse, die unausweichlich und unabänderlich sind. Einfach da sein ist genug. Gleichzeitig habe ich die Macht meinem Leben im jetzt Sinn und Bedeutung zu geben. Die (Lebens-)Zeit ist kostbar. Ich allein entscheide, womit ich sie fülle, mit wem teilen und wann verschwenden will. Meinen Einfluss will ich nutzen und er wird bedeutungsvoll, wenn ich dereinst erfüllt und gesättigt von dieser Welt gehen will.

Der Tod an meiner Seite ist mir dabei ein Gefährte und Wegweiser. Dieses vertrauensvolle Bewusstsein, erlaubt es mir meine Lebens- und Schöpferkraft zu entfalten.

Hinhören, hinschauen, hinsehen!


Homeschooling – ein Tagebuch – Tag 21

Crossover-Bild über die Künstlerfreundschaft meiner jüngsten Tochter mit dem Streetartkünstler “Louane”/”The_Littlebrother”

Beim Nachtessen heute Abend seufzte ich und meinte, “Was soll ich nur heute im Blog berichten?” Da meinte die Erstgeborene: “Schreib doch, dass wir jeden Tag viel lernen und dass wir uns so wunderbar gegenseitig unterstützen und helfen.”

Genau! Wenn ich in als Erinnerung an die Corona-Zeit dereinst meine Blogbeiträge durchlesen werde, dann hoffe ich, dass ich bei Tag 21 ein paar sentimentale Tränchen verdrücke. Das wird der Zeitpunkt sein, an dem die wunderbaren Gemeinschaftsgefühle wieder hochkommen, die wir derzeit erleben. Wir haben alle viel Zeit für Gespräche, können unseren Kindern neues beibringen, neue Facetten voneinander kennen lernen und dennoch hat jede/r noch viel Freiraum, um eigene Ziele zu verfolgen. All das ist massenhaft vorhanden und kann verschwenderisch eingesetzt werden. Während im regulären Alltag (ich erinnere mich nur noch schwammig, wie kann das sein?!) immer ein Blick auf die Uhr dazugehört und die Kalkulation wie viel Zeit noch bleibt. Diese Entschleunigung, und das spüre ich sehr deutlich, schätzen die Kinder sehr.

Was tun wir, damit es auch danach so bleibt?

Sommer 2019 – Damals war die Welt noch belebt und wir suchten Ruhe auf dem Dach – Kettenreaktion 2019

Homeschooling – ein Tagebuch – Tag 19

Eine Familie bestehend aus Vater, Mutter und 3 Kindern wird durch die Schulschliessung, eine Massnahme der Schweizer Regierung aufgrund der Corona Pandemie, mit Homeschooling konfrontiert.

Dienstag, 31. März 2020

Bereits gestern ging mir der Gedanke durch den Kopf, dass sich die Tage derzeit wie die zwischen Weihnacht/Neujahr anfühlen. Es ist nicht mehr klar, welcher Wochentag überhaupt ist und am Morgen steige ich vom Pyjama direkt in die Wohlfühlkleidung, wenn überhaupt. Ausserdem ist da das Gefühl, dass jetzt der ideale Zeitpunkt für Tätigkeiten wäre, für die sonst immer die Zeit fehlt. Und auch, dass ich es dann doch nicht schaffe etwas von all dem zu machen. Wieso auch immer. Es ist mir ein Rätsel, ich weiss nur, genau so geht es mir jeweils im Dezember/Januar. Die Tage sind gefüllt mit Frühstück machen, Betten machen, Fensterläden öffnen, Küche machen, in Ruhe einen Kaffee trinken, den Zmittag vorbereiten, wieder Küche machen, kurze Mittagsruhe, Zvieri richten, Spazieren gehen, Wäsche falten, Znacht richten, Aufräumen, Kinder ins Bett bringen, eine Runde Sofa und TV und dann ab ins Bett. Natürlich sind da auch immer kurze Sequenzen Auszeiten dabei. Wie zum Beispiel die Timeline auf Instragram durchsehen, zwei, drei Seiten in einem Buch lesen, mit einem Kind ein Spiel spielen, kurz eine WC Putzrunde dazwischenschieben, gemeinsam mit der Familie einen Film schauen usw., aber es sind keine weltbewegenden Tätigkeiten. Schon gar keine mit einem sichtbaren, bleibenden Resultat.

Was nicht stattfindet ist die Küche streichen, ein neues Musikinstrument lernen, ein Referat vorbereiten, die digitalen Fotos ordnen, das Gartenhaus aus- und aufräumen, mit den Kindern die Zimmer ausräumen und neu strukturieren, jeden Tag ein Fitnesstraining, neue Rezepte ausprobieren…. Alles Dinge bei denen man dranbleiben müsste und entsprechend Zeit und Freiraum bräuchte.

Ich gehe davon aus, dass es sich beim Neustart in den Alltag so anfühlen wird wie jeweils nach den Weihnachtsferien. Egal wie viele Wochen es schlussendlich gewesen sein werden, weltbewegendes wird sich nicht ereignet haben. Zum Glück? Wäre das nicht auch ein Zeichen, dass wir es gut gemeistert haben werden?

Meine Gefühle sind ambivalent. Erklärung habe ich dafür keine. Am ehesten vielleicht: so ist das (mein) Leben.

Homeschooling – ein Tagebuch – Tag 18

Eine Familie bestehend aus Vater, Mutter und 3 Kindern wird durch die Schulschliessung, eine Massnahme der Schweizer Regierung aufgrund der Corona Pandemie, mit Homeschooling konfrontiert.

Montag, 30. März 2020

Die Verlockung war süss heute Morgen. Lass uns doch noch liegenbleiben, meinte mein Mann als mein Wecker klingelte. Aber nein, an meinem/unseren geregelten, selbst auferlegten Alltag wird nicht gerüttelt. Da bleiben wir jetzt dabei. Diese Sicherheit gönnen wir uns! Also starten wir die Woche wie gehabt. Beim Frühstück besprechen wir das Tagesprogramm und unsere drei “Schulstunden” werden mit Inhalt gefüllt. Nun einfach mit Ferien-Inhalt. Das hat den Vorteil, dass alle Einfluss auf den Alltag nehmen können und wissen, wie der Tag ablaufen wird. Ich habe das Gefühl, dass wir so vielen Konflikten aus dem Weg gehen.  

Nach dem Frühstück, war ich zum ersten Mal seit langem wieder alleine im Haus. Mein Mann machte mit den Kindern eine kleine Geocaching-Tour  und ich machte meine Montag-Yoga-Stunde, die meine Yogalehrerin bereits die zweite Woche online geschickt hatte. Leider merkte ich dabei, dass meine Fitness so langsam zu wünschen übrig lässt. Was mich sehr betrübt. Bis kurz vor der Corona-Krise war ich 2 – 3 Mal in der Woche schwimmen. Das fehlt mir nun immer wie mehr. An der schwindenden Muskelmasse (Minus 2 kg) und dem schwächelnden Kreislauf spüre ich es nun auch körperlich. Joggen ist leider so gar nicht meins, aber vielleicht wäre es langsam an der Zeit, es wieder einmal auszuprobieren. Mal schauen, was der Schweinehund dazu meint. Immerhin habe ich mittlerweile mehr Zeit, um die täglichen Spaziergänge etwas auszudehnen. 

Am Nachmittag war dann Kino angesagt. Die Kinder haben alles für einen Kino Nachmittag vorbereitet. Kinoplakat, Popcorn, Süssigkeiten, Eintrittskarten, Spielgeld, Kasse und Bartheke, all das wurde selber hergerichtet. Der Film durfte dann auch etwas spezieller sein. Unsere Kinder können nun sagen, sie hätten während dem Corona-Lockdown ihren ersten James Bond-Film (Skyfall) gesehen. Ich hoffe, wir werden heute Nacht keine Nachwirkungen zu spüren bekommen. Selbst bin ich irgendwann während dem Film eingeschlafen. Dadurch, dass sich die Last Daheim nun auf zwei Erwachsene aufteilt, kann ich mehr loslassen und die Müdigkeit wird entsprechend grösser.

Bei meinem täglichen Spaziergang, war ich heute weit und breit alleine unterwegs. Die Strassen waren leer, selbst die Häuser sahen unbewohnt aus. Eine unwirkliche Stimmung. Als hätte ich etwas nicht mitbekommen und alle wären irgendwohin gefahren. In der Spielgruppe war die Bastelkiste beinahe leer, musste aufgefüllt werden und wir hatten Post in unserem improvisierten Briefkasten. Ich vermisse die Spielgruppenkinder so sehr, mag aber die tröstende Vorstellung, wie sie Daheim werkeln und dabei an die Spielgruppe denken.