Homeschooling – ein Tagebuch – Tag 5

Eine Familie bestehend aus Vater, Mutter und 3 Kindern wird durch die Schulschliessung, eine Massnahme der Schweizer Regierung aufgrund der Corona Pandemie, mit Homeschooling konfrontiert.

Dienstag, 17. März 2020
Ich habe sehr schlecht geschlafen in der letzten Nacht. Kein Wunder bei meiner düsteren Stimmung, von der auch in meinem gestrigen Blog etwas zu spüren war. Aber wir müssen uns wohl in nächster Zeit mit einigen «ups and downs» arrangieren müssen und obwohl ich in diesem Blog eine positive Haltung in die Welt hinaustragen möchte, wird es halt auch andere Momente geben. Das gehört zum Leben dazu.
Mit dem Start in den (Schul-)Tag war ich sehr zufrieden. Bereits am Frühstückstisch waren die Kinder gespannt und in freudiger Erwartung. Gemeinsam haben wir die drei Unterrichtseinheiten für den Tag definiert.

1. Unterrichtsblock:
Thema Corona – ein kurzes Infovideo von wdr.de «Corona für Kinder erklärt»
Anschliessend Diskussion in der Runde. Was heisst das für uns als Familie, was heisst da für die Schweiz.
2. Unterrichtsblock
Wir spielen das Evolutionspädagogik-Spiel aus dem Buch «Das bewegte Gehirn» und üben dabei spielerisch die Grundübungen der Evopäd.
3. Unterrichtsblock
Gemeinsam für andere! Jede/r überlegt sich wie und womit er jemand anderen in der momentanen Lage unterstützen kann und führt das aus.

Mein Fazit: Wir waren sehr erfolgreich und ich habe viel gelernt. Bereits nach dem ersten Block fühlte ich mich glücklich und beschwingt. Die Kinder waren mit grossem Eifer dabei. So wissen wir nun zum Beispiel, dass laut Duden beide Schreibweisen das Virus und der Virus richtig sind. Es gab auch eine anregende Diskussion, ob man ein Mörder/in ist, wenn man jemanden (unwissend) mit dem Virus infiziert und diese/r dann stirbt. Zudem haben wir lange über das exponentielle Wachstum gesprochen und ich glaube, meine Kinder haben das besser verstanden als ein grosser Teil der Gesellschaft. Daheimbleiben ist für sie nun ein schlüssiger Fakt. Das musste ich nicht predigen, das haben sie selbst herausgefunden und definiert.
Selbst im zweiten Block zur Evolutionspädagogik waren alle mit motiviert. Normalerweise lässt sich bis auf die Jüngste keine/r gerne auf die Übungen ein. Zumindest nicht bei der Mutter. Heute war es anders. Eigentlich wollte ich jede der 7 Grundübungen einmal durchspielen. Wir sind nicht weiter als bis zur Fischübung gekommen. Sie steht für das Urvertrauen. Es war der Moment, der mir vor Augen führte, wie sehr die Kinder in dieser Zeit in ihrem Urvertrauen erschüttert sind. Wir nahmen uns viel Zeit und jede/r konnte die Übung so oft wiederholen wie es nötig war. An dieser Stelle: Liebe alle da draussen, die ihr das lest. Denkt bitte daran, eure Kinder leisten gerade so viel! Ihre Welt liegt in Trümmern und nichts ist wie es war oder sein sollte. Sei es das Spielgruppenkind, der Grundschüler, die Obenstufenschülerin oder der Student, seid nachsichtig mit ihnen, habt Geduld und nehmt euch Zeit für sie. Dies gilt auch für die Mitarbeiterin, den Nachbarn und den Partner. Habt Geduld und Vertrauen. Einfach da sein ist genug, alles andere wird sich fügen.
Auch den dritten Unterrichtsblock haben die Kinder dann sehr selbstständig und auch sorgfältig erledigt. Es wurden Briefe geschrieben, Telefone geführt und Zeichnungen erstellt und verschenkt.
Für den morgigen Tag wird uns wieder Neues erwarten. Zwei der drei Kinder haben nun ihren Schulstoff erhalten und nach dem was ich auf den ersten Blick gesehen hatte, scheint er sehr umfangreich zu sein. Wir wissen nun was zu tun ist. Schade eigentlich, denn mir hat der heutige Flow gefallen. Wir hatten unseren eigenen Grove und das hat zum Erfolg beigetragen. Es wird mir schwerfallen lediglich Lernbetreuerin zu sein. Aber da ich mir ja vorgenommen habe positiv zu sein, lasse ich das nun neugierig auf mich zukommen und werde es dann auch meistern.
Wir schaffen das alle!

Corona – Tiger by @the_littlebrother (Louane)

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