Homeschooling – ein Tagebuch – Tag 48 Nr. 1

Eine Familie bestehend aus Vater, Mutter und 3 Kindern wird durch die Schulschliessung, eine Massnahme der Schweizer Regierung aufgrund der Corona Pandemie, mit Homeschooling konfrontiert.

Mittwoch, 29. April 2020

Tiefpunkt

Mein erster Gedanke heute morgen galt besonders einem unserer Kinder. Es hatte sich bereits im Verlauf der letzten Tage abgezeichnet, dass dieses Familienmitglied zunehmend litt. Dies äusserte sich mit Gefühlsschwankungen, Gereiztheit und Schlafstörungen. Mein erster Gedanke war, ihm einen freien (Schul-)Tag zu organisieren. Einfach in der Schule krank melden. Das hätten sicher auch die Lehrer*innen vollkommen verstanden. Dann allerdings dachte ich daran, wie pflichtbewusst genau dieses Kind war und dass es dann die versäumten Aufgaben, in noch kürzerer Zeit nacharbeiten würde. Der Druck würde sich noch erhöhen und damit das Gegenteil bewirken, was ich bezwecken wollte.

Da kam mir der Gedanke, das Nützliche mit dem Praktischen zu verbinden. “Win win – Situationen” sind mir eh die liebsten. Wir fahren zu zweit einkaufen, gönnen uns so eine Auszeit vom “bleiben sie zu Hause” und verbringen gemeinsame Zeit zu zweit. Sowieso ist ein Perspektivenwechseln in verzwickten Situationen hilfreich. Mein Vorschlag kam erfreulicherweise sehr gut an. Das Kind konnte sich seit Tagen wieder einmal anders kleiden, zurechtmachen und auf etwas freuen. Mir dagegen gelang es kaum, vor dem verlassen des Hauses einen Blick in den Spiegel zu werfen, (“Chum jetzt Mami, das isch jetzt doch nid so schlimm”) denn es galt vor dem Aufbruch, alles in die Wege zu leiten, dass während unserer Abwesenheit, von den Zurückgebliebenen am Schulstoff gearbeitet wird (es wäre sonst besonders für mich eindeutig keine Win-win-Situation mehr). Zudem bedeutet ein Zwei-Wocheneinkauf auch einkaufslistenmässig einiges an Denkarbeit. Zu guter Letzt war es aber dann soweit, dass wir die Einkaufstour tätigen konnten. Unterwegs war ich zwar weiterhin zu mehr Multitasking gezwungen als mir lieb wäre. Das Haus mit Anweisungen verlassen, heisst leider nicht, dass nicht auch unterwegs noch per Telefon Erklärungen und Anweisungen nötig sind. Aber, und das ist die Hauptsache, die Mission hat sich gelohnt. Wir waren noch nicht einmal ganz fertig mit dem Einkauf, das meinte das begleitende Kind: “Mami, das hat jetzt aber wirklich gut getan.”

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