Homeschooling- ein Tagebuch – Tag 42

Eine Familie bestehend aus Vater, Mutter und 3 Kindern wird durch die Schulschliessung, eine Massnahme der Schweizer Regierung aufgrund der Corona Pandemie, mit Homeschooling konfrontiert.

Donnerstag, 23. April 2020

Auf der Suche nach Achtsamkeit

Es fühlt sich an wie in einer Waschmaschine. Die Tage fliessen und verwässern. Oft weiss ich nicht wo unten, oben, vorne und hinten ist. Eindeutige Stressanzeichen. Gestern habe ich unsere beiden Jüngsten zur Seite genommen und ihnen erzählt, wie das alles auf mich einprasselt. Wir sitzen zwar derzeit so oft nebeneinander wie sonst nie, aber mein Geist ist währenddessen überall und nirgends. Ich habe ihnen erklärt, dass es für mich überhaupt nicht stimmig ist, dass es aber der derzeitigen Situation geschuldet ist, dass ich selten voll und ganz für sie da sein kann. Es geht einfach nicht anders. Dabei war es mir wichtig, dass sie wissen, dass sie trotz allem an erster Stelle stehen, denn seit jeher gilt bei uns “Family first”. Wir haben deshalb vereinbart, dass sie immer ein Vetorecht haben. Was bedeutet, dass ich, wenn es für sie nötig ist, alles stehen und liegen lasse. Das heisst, der Laptop wird zugeklappt, das Telefon weggelegt und auch das Handy ausgeschaltet. Wenn sie es brauchen, dann sollen sie 100 % Aufmerksamkeit bekommen.

Achtsamkeit ist ein hohes Gut. Davon bin ich fest überzeugt. Unser Alltag ist Corona verschuldet scheinbar überhaupt nicht achtsam. Aber Achtsamkeit wartet bis sie dran ist. Achtsamkeit leben wir an den Nachmittagen auf unseren Fahrradtouren durch den Wald und wenn wir auf der Parkbank den Vögel lauschen. Auch wenn es nur 10 Minuten sind, bis das Handy wieder klingelt. Ich bin auch der Meinung, dass es sehr achtsam ist zu bemerken, dass die Achtsamkeit fehlt.

Achtsamkeit bedeutet für mich auch mit meinen Kinder zu sprechen, wenn ich die Last verspüre, dass ich ihnen nicht gerecht werde. Im gleichen Zug fördert es die Achtsamkeit der Kinder, wenn sie lernen auf ihre Bedürfnisse zu achten. Als Evolutionspädagogin© erkenne ich auch aggressives Verhalten, Rückzug, Unruhe, Gefühlsausbrüche als Hinweis darauf, dass das Kind Aufmerksamkeit benötigt. Dann ist es einfach nicht möglich, dies sprachlich zu benennen, da das unterbewusste Denken den Stress zu lösen versucht.

Natur pur

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.