Homeschooling – ein Tagebuch – Tag 8

Eine Familie bestehend aus Vater, Mutter und 3 Kindern wird durch die Schulschliessung, eine Massnahme der Schweizer Regierung aufgrund der Corona Pandemie, mit Homeschooling konfrontiert.

Freitag, 20. März 2020

Die erste Schulwoche liegt hinter uns. Die Stimmung in der Familie ist gut und ich würde sagen, alle sind zufrieden. Es ist erstaunlich, wie schnell die Kinder den Tagesablauf, den wir zu Beginn der Woche eingeführt hatten, verinnerlicht haben und einhalten. Immer wenn ich mich selber beim Gedanken ertappe, ich könnte ja etwas verschieben oder nicht so ganz gewissenhaft umsetzen, werde ich von den Kindern ermahnt und auf Kurs gebracht. Wir werden auch alle effizienter. Heute waren die vorgenommenen Tagesziele schneller beendet, als noch zu Beginn der Woche. Dies hängt mit Sicherheit auch damit zusammen, dass ich etwas mehr Freiräume einräume und den Kindern mehr Verantwortung übertrage. Mein Stresslevel ist gesunken und dadurch ist mein Überblick und das Vertrauen in die Fähigkeiten der Kinder wieder da. Ich kann nun besser den Standpunkt vertreten: “Es ist deine Arbeit, sag mir, wann du sie löst. Probiere und hole dir bei mir Hilfe, wenn du sie brauchst.” 

Es kommt etwas zusammen, wenn drei Kinder sich ausbreiten

Allen drei Kindern fehlen die Sozialkontakte. Es tut mir im Herzen weh, aber sie stehen nach wie vor dahinter, dass daheim bleiben umgesetzt werden muss, um COVID19 zu bekämpfen. Sie sind umfassend informiert (wollen auch alles wissen und erklärt haben) und wir Eltern begleiten und ermutigen, wenn die Sorgen zu gross wird. Der Sohn hat ein Mittel gefunden, den Zugang zur Aussenwelt zu halten. Er hat begonnen sich per Mail mit seinen Lehrer*innen auszutauschen. Seine Affinität zu elektronischen Geräten ist dafür natürlich ein zusätzlicher Motivator. Es bietet zudem eine gute Möglichkeit, ihn (er ist Legastheniker) in der Rechtschreibung zu unterstützen. Ein Hoch auf das Word-Rechtschreibprüfprogramm. Die Älteste ist mit ihrem Handy und Social Media natürlich breiter aufgestellt, als ihre jüngere Geschwister und hat regen Kontakt mit ihrer Peergroup. Die Jüngste leidet eher still. Sie ist oft an meiner Seite und ist froh, wenn sie mir etwas helfen kann. Im Fernsehen haben wir heute Abend gemeinsam eine Episode von “Der Lehrer” auf RTL geschaut. Die Kinder kannten die Sendung bisher nicht, aber ich hatte einen guten Riecher. Die Serie zeigt unzählige Situationen rund um den Alltag in einer Schule. Das alles wurde von allen dreien quasi aufgesogen. Erneut ein Zeichen wie sehr ihnen das Umfeld fehlt.

Trotzdem geht es ihnen gut und wir sind sicher. Ich denke in denen Tagen sehr oft an Anne Frank, deren Tagebücher ich in der Jugend und als Erwachsene mehrmals gelesen habe und die mich sehr beschäftigt und geprägt haben. Sie ist mein Leitfaden für diese ungewöhnliche Situation. Was für Sorgen und Ängste sie durchstehen musste und dennoch immer so optimistisch blieb. Unsere Situation ist ein Klacks dagegen und wir sind es ihr schuldig, das Beste daraus zu machen.

Über die gesamte Woche hinweg, war es eine wunderbare Erfahrung für mich, dass die Kinder mir regelmässig für meine Unterstützung danken, sie mich auf Fehler aufmerksam machen, diese dann unverzüglich verzeihen und mich dann ermuntern einfach weiter zu machen. Was für ein Lohn.

Leider weiss ich kaum, wie es anderen Eltern mit der aktuellen Homeschooling-Situation geht. Ich hoffe soweit gut. Gerne würde ich euch aber hier noch einen Tipp hinterlassen. Fabian Grolimund und Stefanie Rietzler, von der Akademie für Lerncoaching, haben auf ihrer Homepage www.mit-kindern-lernen.ch, allerlei hilfreiches für das Lernen daheim zusammengestellt. Schaut rein! Aber natürlich stehe ich euch ebenfalls gerne mit Rat und Tat zur Seite. Es ist ein guter Zeitpunkt Stressoren, die Rund ums Lernen oder dem Alltag auftauchen, zu bearbeiten. Nicht nur bei den Kindern, sondern auch bei euch! Nutzt die Chance.

Und denkt daran: Einfach Daheim sein ist genug.

Die beiden Fahrzeuginsassen erleben grad Unglaubliches….

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